Diamant statt Urne – die verrückteste Bestattung der Welt

 

Diamant

Diamant; www.pixelio.de

Heute fand ich in meinem Andachtsbuch einen Beitrag, der so titelt ist wie dieser Artikel. Ich zitiere von dort:

“So lautete der Titel eines Artikels in den Medien, der eine neue Methode der Leichenbestattung erläuterte. Da der menschliche Körper zu 20% aus Kohlenstoff besteht, wäre nach Verbrennung der Leiche die ideale Basis für einen Diamanten gegeben.

In einem aufwändigen Verfahren wird ein kleiner Teil der Asche des Toten über mehrere Wochen gesiebt, verdichtet und erhitzt. Das Ergebnis ist ein synthetischer Rohdiamant, der auf 0,25-1,0 Karat geschliffen und poliert wird. Es bleibt danach dem Auftraggeber überlassen, den Ehemann, die Mutter, den Opa oder die Erbtante als Brilli am Finger zu tragen, sich um den Hals zu hängen oder in der Glasvitrine im Wohnzimmer auszustellen. Ist das pietätvoll, geschmacklos oder ganz einfach makaber?”

Es geht mir hier auf der Abschiedsvorstellung nicht um die dort näher ausgeführten (missionarischen) Gedanken. Mir selbst mutet das völlig unvorstellbar an. Als meine Mutter gestorben war, wurde uns gezeigt, dass sie jetzt jedenfalls keine Schmerzen mehr hat, indem sie an der fraglichen – vorher sehr schmerzempfindlichen – Stelle berührt wurde. Damit lernte ich, dass auch Leichen berührbar sind. Da ich bisher nur auf Beerdigungen mit geschlossenen Särgen war, war ich da tatsächlich unsicher. Woher sollte ich es auch besser wissen?

Ich habe sie dann tatsächlich berührt. Ich habe durch meine Teilnahme an der Totenwache gespürt, dass es unter ihrem Körper auch nach 24 Stunden noch “Restwärme” gab. Und ich habe sie – zögernd, aber doch – noch einmal berührt, bevor der Sargdeckel endgültig geschlossen wurde.

Ich gehe immer mal wieder auf den Friedhof, wo sie erdbestattet wurde. Ich mache mir so wenig Gedanken wie möglich darüber, wie es inzwischen um ihren Körper bestellt sein mag. Aber sie verbrennen zu lassen, um aus ihren sterblichen Überresten einen Diamanten formen zu lassen? Das würde bedeuten, dass ihre sterblichen Überreste in berührbarer Form weiter existieren. Dabei spielt keine Rolle, ob diese “Form”, dieser Diamant bei mir oder bei wem anders “ruhen” würde. Sie bzw. die Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit ist und bleibt mir auch dann kostbar, wenn ich sie nicht mehr berühren kann.

Ich fände es so unvorstellbar wie unangemessen, mich für eine solche Form der (Nicht-)Bestattung zu entscheiden. Ich bin froh, dass es ein Bild von ihr in meiner Wohnung gibt und einen Ort, wo ich sie “besuchen” kann. Und ich bin froh, dass das zweierlei Orte sind.

Für die, die es interessiert: Die Firma heißt Algordanza und hat ihren Sitz in der Schweiz. Agg. bekommt sie auch Aufträge aus Deutschland.

Wie finden Sie das, was da beschrieben wird? Haben Sie davon schon mal etwas gehört oder gelesen? Können Sie sich das vorstellen zu realisieren? Oder HABEN Sie es schon realisiert?

Wikipedia: Stichwort “Diamnanbestattung”

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4 Kommentare

  • Biographin Irene Wahle Biographin Irene Wahle

    Hallo, Etolm,

    danke mal wieder, dass Sie uns so authentisch an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

    Zu Ihrer abschließenden Frage: Jeder wird sicher seine Einstellung haben und jede Einstellung ist richtig. Und genau deshalb findet jeder die für sich entsprechende Bestattungsform.

    Kenne einige Leute, die sich dafür entschieden haben und denen es Trost spendet, etwas von dem oder der Verstorbenen dichte bei sich zu haben. Einen Fingerabdruck in Silber oder Gold oder eben Diamanten, der im Übrigen eine tiefe Symbolik in sich birgt. Diamanten haben eine große Dichte und stehen als Symbol für Reinheit und Klarheit, sowie ein sichtbares Zeichen dafür, dass alles in unserem Dasein sich wandelt und verändert. Leben und Tod sind begreif – und berührbar. Dieser Weg birgt möglicherweise auch die Chance in sich, mit dem Tod ins Reine zu kommen, wenn man oder frau ihn so dicht an sich heranlässt. Wie alles Licht und Schatten ist, birgt diese Möglichkeit auch die Gefahr in sich, den oder die Verstorbene “festzuhalten”, ohne den Tod zu akzeptieren. Der Diamant wird im Übrigen nur aus einem Teil der Asche gepresst. Der Rest wird, wie bei einer üblichen Feuerbestattung beigesetzt. Es gibt also auch hier einen Ort der Erinnerung, der aufgesucht werden kann.

    Gute Zeit wünscht
    Biographin Irene Wahle

    • etolm etolm

      Danke für Ihre Kommentare, auch für diesen hier – oder ganz besonders für diesen hier. Ich habe in den Recherchen für diesen Artikel die Information gefunden gehabt, dass nicht die gesamte Asche verwendet wird. Mir war jedoch nicht klar, ob es dann wirklich mit den “Resten” eine Feuerbestattung gäbe. Und es war mir nicht sooo wichtig, als dass ich groß weiter recherchiert hätte. Aber das ist ja der große Vorteil an so einem Blog – da finden sich manche Informationen ganz von “allein” ein :) – danke!

  • [...] Artikel wurde schon einmal sehr ähnlich via Abschiedsvorstellung.de veröffentlicht; hier findet er sich als “Datensicherung” unter dem gleichen Datum hinterlegt. [...]

  • [...] meinem schon in einem anderen Beitrag von mir erwähnten Andachtsbuch fand ich heute mal wieder einen mir für das Blog der Abschiedsvorstellung [...]

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