Bayern etwas im Rückstand …

Beruflich als Arzt seit mehr als einem halben Jahrhundert mit dem Sterben und seinen Folgen konfrontiert, waren die Ansätze der Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben im November 1980 die ersten Schritte in Deutschland, um endlich auch den nicht durch religiöse Vorschriften und Dogmen gebundenen Menschen einen Weg zu zeigen, wie ein Andersdenkender damit umgehen konnte. Nur als Mitglied eines Feuerbestattungsvereines waren vorher andere Wege durchführbar.

Die Befreiung durch die neuerliche Gesetzgebung, was die Wirksamkeit einer Patienten-/Betreuungsverfügung anlangt, lässt hoffen, dass auch in Bayern weitere Lockerungen mit der Zeit entstehen. So fehlen bis, auf eine Ausnahme, die von FriedWald bundesweit bestehenden Möglichkeiten in diesem Flächenland immer noch. Auch die sicher für viele materiell weniger Begünstigten vorteilhaftere Benutzung eines Faltsarges ist hier immer noch nicht statthaft – so lange die Lobby der Bestattungsunternehmer eine Einbuße ihrer stattlichen Einkünfte befürchten.

Das Geschäft mit dem Tod war schon immer einträglich! Bedauerlicherweise tragen gerade die kirchlichen Organisationen dem Erhalt dieses Geschäftes, auch aus Eigeninteresse, und nicht nur aus seelsorgerischen Gründen, der Beständigkeit dieser Umstände bei. Da das menschliche Bewusstsein sich ‘enorm’ langsam entwickelt, s.  Ken Wilber ‘Die Halbzeit der Evolution’, ist damit zu rechnen, dass es noch viele Jahre oder Jahrzehnte dauern wird, bis auch hier eine ‘rationalere’ und ‘tolerantere’ Denkweise einsetzt.

So empfinde ich es als eine Schande, dass Schwerstkranke, deren Leben nur noch aus kaum behandelbaren Schmerz besteht, unter unwürdigen Umständen sich den Möglichkeiten einer humaneren Einsicht in Nachbarländern (Schweiz und Holland) bedienen müssen. Die Doppelbödigkeit unserer ach so christlichen Politiker ist immer wieder erkennbar, wenn man sie privat und im Amt handelnd vergleicht. Und zu hoffen, auf einen humaneren Arzt zu stoßen, der die Grenzen menschenwürdigen Lebens anerkennt und gegen besseres Wissen in der Therapie bis an die Grenzen der Legalität gehen muss, ist ein Segen, der vielen versagt bleibt. Dieses Glück mitzuerleben war mir vergönnt, als mein Freund mit 74 Jahren vor einem Jahr an Krebs verstarb und der hinzugezogene Bereitschaftsarzt am Wochenende weitere sinnlose Untersuchungen, Einweisungen oder Therapierestriktionen vermied.

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