Ahnenforschung

 

Ahnenforschung (Genealogie)
Betriff: Der Name Paproth 

Fast jeder Mensch stellt sich einmal im Leben die Frage: Wo komme ich her? Wer sind meine Vorfahren? Man fängt an zu fragen und zu forschen. Doch es ist nicht so einfach, Kriege zerstörten Kirchen, Rathäuser, Museen. Ich suchte als Jugendlicher in Telefonbüchern nach meinen Namen, stellte fest, dass es in den Großstädten einige Personen mit gleichem Namen gibt. Viele sind mit ein zwei Buchstaben anders. Doch mehr war damals nicht zu erfahren. 

Ich fuhr kurz nach dem Mauerfall in mein Geburtsdorf Strodehne über Rathenow, Rhinow um meine Kindheitserinnerungen auf zufrischen. Nach 49 Jahren hat sich erstaunlicherweise nichts verändert. Alles schien mir jetzt als Erwachsener kleiner zu sein. Ich fragte ältere Frauen, ob sie sich an meine Eltern erinnern. Ja! Und im Ort wohnt jemand mit gleichem Namen. Das weckte mein Interesse und ich suchte ihn auf. Er fiel aus allen Wolken, als er meinen Personalausweis sah. Beide sind wir Jahgang 1938. Ich bin 3 Monate älter, beide sind im diesem Ort geboren. Wie kann das sein? Dorfbewohner kamen hinzu, es wurde diskutiert. Es stellte sich heraus, dass unsere Großväter Brüder waren und weitere Verwandte in Rathenow und Umgebung leben. Als mein Großvater 1927 starb, heiratete Großmutter einen Fischer namens Ullrich. Ich besuchte einige Paproth’s, sie waren aber nicht gesprächig. Warum? Angst? Desinteresse? Ich weiß es nicht. 

Zu Hause versuchte ich per Internet weiter zu kommen. Meine Versuche waren kläglich. Doch plötzlich meldete sich ein Cousine aus Halle, sie macht Ahnenforschung als Hobby und stieß auf meinen Namen. Sie besorgte einige Unterlagen aus Kirchen und Rathäusern und stellte einen Stammbaum zusammen. Er geht 8 !!! Generationen zurück. Nun muss man wissen, dass die Namensgebung sich in ländlichen Gegenden erst im 17. Jahrhundert durchsetzte. Die Standesämter führten 1874 Familiennamen verbindlich ein. Im Mittelalter sind die Menschen ohne Namen ausgekommen, es genügte der Beruf: Bauer, Müller, Bäcker, Schmied. Die Menschen blieben ein lebenlang im Ort. Die Ehen hielten bis ans Lebensende. Adlige und Höhergestellte brauchten wegen der Erbfolge Namen. Später folgten die Stadtbewohner, sie brauchten den Nachnamen, weil viele den selben Rufnamen hatten. In den Verwaltungen gab es Verwechslungen. 

Was habe ich jetzt davon? Jetzt kenne ich alle meine Vorfahren männlicherseits. Bis nach dem Krieg 1945 lebten alle in Strodehne: Herrman um 1710, Andreas 1730, Johann Joachim 1770 Tagelöhner, Joachim Christian 1794 Arbeitsmann, Johann Christian Friedrich 1840 Schneidermeister, Herrmann Julius Gustav 1873 Maurer, Otto Gustav 1912 Arbeiter, Ich: Erwin Paproth 1938 Bergbau, Chemie. Mein Sohn Ralf 1960 Elektriker. 

Alle erfüllten ihre Pflichten als Familienväter und im Beruf. Es gab keinen Adligen und – Gottlob – kein Übeltäter. 

Erwin Paproth

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