Abschied nehmen bei den Guarani (Teil 2)

"Er ist gegangen", Foto: privat

"Er ist gegangen", Foto: privat

In Teil 1 berichtete ich über das Sterben der Guarani Anfang des 20. Jahrhunderts. Hat sich seitdem, in über einhundert Jahren, etwas verändert? 

Nein. Ähnliche Haltungen stellt man noch heute fest. Die Ethnologin, Friedl Grünberg, schreibt in ihrem Buch, Rituale der Religionen, in etwa: “Viele Erfahrungen konnte ich bei den Guaranis machen. Doch die Art wie sie sterben, hat mich am meisten beeindruckt. In diesem Moment zeigte sich für mich, dass Religion für diese Ureinwohner tiefste Realität ist. Niemals habe ich einen Menschen in Agonie, also mit dem Tod kämpfend, sterben sehen. Egal welchen Alters.” 

Sie schreibt weiter: “Meistens weiß ein Kranker drei Tage vor seinem Tod, dass er sterben wird. Das teilt er seiner Familie mit. Er nimmt keine feste Nahrung mehr zu sich, um seinen Körper leichter werden zu lassen. Sein Geist soll sich leicht vom Körper lösen können. Ist der Sterbende ein älterer oder reifer Mensch, werden ihm Grüße für verstorbene Verwandte mitgegeben. Alle Angehörigen, Nachbarn und Kinder sind um den Sterbenden versammelt. 

Leise spricht man mit ihm oder befeuchtet seine Lippen. Wird sein Atem schwächer, so ruft ihn jemand beim Namen, um zu sehen, ob er “noch da” ist. Hat er seinen letzten Atemzug getan, wird noch einmal geprüft, ob er wirklich zu atmen aufgehört hat. 

Dann sagt jemand:  “ohòma – er ist gegangen”. Dann fangen die Angehörigen zu weinen an.”

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Ein Kommentar

  • helmut rehse helmut rehse

    Ja, das ist ein guter Abgang. Und so natürlich. Aber hier beginnt schon lange vor dem Ableben oft der schäbige Kampf um das Erbe. Und wenn es nichts zu erben gibt, dann will auch keiner den todkranken Menschen aus der Verwandtschaft pflegen – Ausnahmen sind selbstverständlich. Wir sind sehr weit von solchen Bräuchen im Sterbensfall entfernt – Lichtjahre.

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