Tod auf Krk

Vor einigen Jahren machten wir – meine Frau und ich – mit einem befreundetem Ehepaar Urlaub auf der Insel Krk (Kroatien). Anreise erfolgte mit dem eigenem Auto. Gegen 15 Uhr trafen wir uns zum Kaffee auf der Hotelterrasse. Es war heiß.

Nach dem Abendessen machten wir einen Verdauungsspaziergang. Dann war auf der Hotelterrasse tanzen angesagt. Die Kapelle musste gegen 24 Uhr – wegen Nachtruhe ihre Instrumente einpacken.Wir gingen in die Disco, die sich im Keller befand – das heisst A., der Mann unseres befreundetes Paares – wollte nicht mehr. Er wollte auf dem Zimmer noch lesen. Nun, uns Dreien sagte der Trubel und die laute Musik nicht zu. Wir verliessen den Keller nach etwa 10 Minuten und gingen in unsere Zimmer. Wir machten uns gerade fürs Schlafengehen zurecht, als unsere Freundin aufgeregt an die Tür klopfte. Es war 0 Uhr 20. Aufgeregt und kreidebleich stotterte sie: “Kommt schnell, ich glaube A. ist tot.”

Erschrocken schauten wir uns an und eilten dann zwei Zimmer weiter. A. lag auf dem Rücken auf dem Bett, das rechte Bein hing über die Bettkante, die Arme waren ausgebreitet, das Gebiss lag auf der Brust und die Brille hielt er noch in der linken Hand neben einer Zeitung. Er trug nur eine Nachthose. Ich schaute ihn an, nahm das Telefon. Der Nachtportier glaubte mir nicht: Er müsse sich selbst überzeugen! Wir standen im Zimmer, unser Blick ging immer wieder zum Freund A. Wir konnten es nicht glauben, doch er bewegte sich nicht. Nach 10 Minuten kam der Portier, schaute und sagte: “Ich glaube du hast recht.”

Er ging. Zehn Minuten später rief ich ihn wieder an: Ja, er habe Reiseleitung und Arzt informiert. Um 1 Uhr 30 kam die Frau Reiseleitung, stellte den Tod fest und fragte nach Versicherungspapieren. 3 Stunden später, um 3 Uhr 30, kam der Arzt, erledigte die nötigen Formalitäten und informierte den Bestatter in Rijeka. Der kam mit Kollege gegen 4 Uhr 30 mit einem Blechsarg, wir mussten aus dem Zimmer, der Sarg mit Freund A. wurde über die Hintertreppe, Personalausgang zum verstecktem Auto gebracht. “Er bleibt 3 Tage im Leichenhaus und wird dann wegen dem internationalem Luftabkommen nach Deutschland geflogen”, sagte man uns.

Die Freundin blieb mit ihrer und unserer Trauer noch zwei Tage bei uns. Ihre Kinder holten sie ab. Diese Nacht werden wir nie vergessen. Der Resturlaub war depremierend. Einen Tag später gingen wir abends an der Strandpromenade spazieren und staunten, als wir unseren Arzt am Keyboard mitten in einer Band in einem Touristengarten sitzen sahen. Deshalb kam er also so spät. Wir erfuhren, dass er Bereitschaftsdienst hatte, doch ob jemand Hilfe braucht, störte ihn nicht. Andere Bekannte fragten im Hotel nach uns. “Wen?” “Na, deren Freund ist doch hier gestorben.” “Was? Bei uns ist keiner gestorben!”, wurde geantwortet. Richtig Abschied nehmen von unserem Freund konnten wir erst, als wir wieder zu Hause waren und er beerdigt wurde.
Erwin Paproth aus Kelsterbach

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Ein Kommentar

  • helmut rehse helmut rehse

    Ein tragisches Erlebnis! Leider muss man damit im bestimmten Alter, und manchmal auch früher, rechnen. In jungen Jahren war ich in Spanien. Während die Touristen schnell braun werden wollten, hielten die Spanier Blässe für vornehm. Ein junger Mann aus Berlin verliebte sich in eine bildhübsche Spanierin. Nur sie sah keine Zukunft für diese Liebe. Er ging immer zu einer Klippe und schaute auf das Meer. Eines Tages stürzte er sich von dieser Klippe in den Tod! Er war 22 Jahre jung. Ein über 70-jähriger Mann wollte in einem schönen Hotel in Agadir zum Abendessen gehen. Vor der Restaurant brach er zusammen und war tot. Ärztliche Hilfe gab es da gar nicht. Die Touristen, die das miterleben mussten, wissen seitdem, dass es eine geregelte medizinische Versorgung dort nicht gibt!

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