Freudige Zufriedenheit ob des Todes?

Neulich ist mir was Unerwartetes passiert. Ich war auf einmal ganz FROH, dass meine Mutter tot ist. Sofort anschließend habe ich mich geschämt – wie kann ich froh darüber sein, dass es ist, wie es ist? Sie hätte ganz bestimmt gern noch weiter gelebt. Und ich hätte auch gern noch Zeit mit ihr verbracht. Und doch war ich zumindest einen kurzen Moment lang zufrieden damit, dass es ist, wie es ist.

Meine Mutter war schwer krank und hat im Sterben reichliche Schmerzen durchlitten. Auch insofern war der Tod für sie eine Erlösung – da bin ich sicher – sie hat jetzt keine Schmerzen mehr. Und doch habe ich ja auch mitbekommen, dass sie sooo gern noch an der Abiturfeier ihres 2. Enkelkindes teilnehmen wollte. Dieses war zum Zeitpunkt ihres Todes noch nicht einmal eingeschult. Was bedeutet, dass meine Mutter wohl schon gern noch ein paar Jahre weiter gelebt hätte. Ich finde es sehr verunsichernd, mich dann trotzdem zu freuen, dass es so ist, wie es ist. Zufrieden damit zu sein. Ich kann meine Mutter weder zum Leben erwecken noch die Zeit so ändern, dass die medizinischen Möglichkeiten für ihr Weiterleben ausgereicht hätten oder ausreichen würden.

Ist es also Teil der Trauerarbeit, irgendwann anzunehmen, dass es so ist, wie es ist? Und dankbar zu sein für das, was war? Ich meine – ich hatte immerhin die Möglichkeit, mit meiner Mutter zu leben und sie im Sterben zu begleiten. Alles (?) wirklich Wichtige konnte noch mitgeteilt werden, bevor der Tod eintrat und alles (?) veränderte. Ist es somit vielleicht an der Zeit, einen Blick auf das zu werfen, was IST? Zu akzeptieren, dass sie tot ist und ich lebe?

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2 Kommentare

  • Biographin Irene Wahle Biographin Irene Wahle

    Hallo,

    mit Ihren Beiträgen lässt uns etolm auf berührende Weise an ihrer Trauerarbeit teilhaben. Aber auch daran, was geschieht, wenn wir uns bewusst wie sie der leidvollen Seite der Medaille Leben hingeben. Der Psychotherapeut Bert Hellinger formulierte den mit der Trauer verbundenen Prozess so:

    “Man muss durch die Trauer hindurch, um wieder ans Licht zu kommen. Man muss sich ihr ganz hingeben und wenn wir das wagen, wird der scheinbar verlorene Mensch eines Tages zur inneren Figur, der weiter unseren Weg begleitet.”

    Wichtig in dieser Auseinandersetzung ist das, was etolm in etwa schreibt: “Alles was gesagt werden sollte, ist gesagt. Alles was miteinander getan werden sollte, ist getan.”

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe etolm, dass Sie sich nun dem öffnen können, was jetzt für Sie dran ist. Ihnen, verehrte Leser, wünsche ich eine gute Zeit und die Erkenntnis: “Dass das Leid genauso zu unserem Leben gehört, wie das Glück. So wie uns das Glück in die Höhe unseres Selbst führt, so führt uns das Leid in die Tiefe unseres Selbst. Beides bringt uns selbst nah.”

    Mit sommerlichen Grüßen
    Biographin Irene Wahle

    P.S. Sollte der Eine oder die Andere merken, dass es Dinge gibt, die in der Beziehung offen geblieben sind, gibt es Möglichkeiten das zu er.lösen. Sprechen Sie mich gern an

  • [...] Artikel wurde schon einmal sehr ähnlich via Abschiedsvorstellung.de veröffentlicht; hier findet er sich als “Datensicherung” unter dem gleichen Datum hinterlegt. [...]

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