Der Tod kommt immer so überraschend

Totenmaske an Tempel in Guatemala

Totenmaske an Tempel in Guatemala

Es war heute kurz vor 12.00 Uhr, als der Anruf kam: Mama Reina Hernández Hernández in Guazacapán/Guatemala ist an ihrem schweren und schmerzhaften Krebsleiden verstorben! Die Verstorbene – Mutter von 14 Kindern – war eine herzensgute und abgeschaffte Frau von etwa 57 Jahren. Ihr Mann arbeitslos und wegen der finanziellen Sorgen zum Alkoholiker geworden. Alles lastete auf den Schultern dieser verhärmten Frau. 

 Das monatliche Familieneinkommen so zwischen 75,- bis 125,- US-Dollars. Drei Kinder sind bereits verstorben, so, wie dies in Guatemala üblich ist, wo die meisten Kinder nicht einmal das 16. Lebensjahr erreichen und wo kleine Kinder von früh morgens bis spät nachts schuften müssen wie kein Bau-Hilfsarbeiter bei uns und somit keine Lebensperspektive haben.

Als ich auf meinen Exkursionen kreuz und quer durch mein geliebtes Lateinamerika vor gut 6 Jahren auch durch Guatemala gereist bin, habe ich dort zwei Patenkinder übernommen (einen Jungen von MAYA-Nachkommen und einen Jungen der neuen ‘Menschenrasse’ der MESTIZEN), für mich eine Pflicht als Mensch und Christ, wenn ich Letzteres überhaupt ernst nehmen will. Ich wurde von beiden Familien aufgenommen und habe mich seitdem freiwillig verpflichtet, diesen Menschen (insgesamt ca. 30 Personen) nach besten Kräften zu helfen. Der Familie meines MAYA-Söhnchens Higinio Rolando konnte ich vor ca. 3 Jahren ein Häuschen bauen, damit sie aus ihrem Schweinekoben (ohne Strom, Wasser und Toilette) herauskamen und kein Kind mehr sterben muß! Nun wollte ich meinem Mestizen-Söhnchen Cristián David und dessen Familie ein Gleiches angedeihen lassen, wofür ich auf meinem Schnapszahl-Geburtstag am 08.08.08 Geld gesammelt und natürlich noch einiges draufgelegt habe.

Vor wenigen Tagen habe ich die Nachricht erhalten, daß mein Geld nun ausreichen würde, das Projekt in Angriff zu nehmen! E n d l i ch! Und dann kam vorhin diese erschütternde Nachricht vom Tod der Mutter. Es war für mich, als ob jemand aus meiner Familie den Gang ins Jenseits antreten würde. Ich habe alles Stehen und Liegen lassen und konnte nur noch über eine mir bekannte Organisation in Guatemala ganz schnell eine E-Mail losjagen, um diesen lieben und mir vertrauenden Menschen zu zeigen, daß ich für sie da bin (Übersetzung ins Deutsche): 

Mein lieber Patensohn Cristian David, 

vor wenigen Minuten habe ich die traurige Nachricht vom Tod Deiner lieben Mutter erhalten! Ich habe daraufhin sofort alles Stehen und Liegen gelassen und alle meine heutigen Termine abgesagt, um Dir ganz schnell schreiben zu können, denn Du sollst wissen, daß ich trotz unserer leider sehr großen geographischen Entfernung geistig sehr nahe bei Dir und bei Deiner (meiner) Familie bin! 

Erlaube mir zuallererst bitte, Dir und Deiner Familie meine ganz tiefe Anteilnahme am Tod Deiner lieben und treusorgenden Mama Reina auszusprechen! Deine Mama – so wie ich diese noch in meinem Gedächtnis habe – war eine so herzensgute und treusorgende Mutter und ich habe heute noch das geistige Bild vor mir, wie diese Frau staunend und ungläubig die vielen Lebensmittel und die guten Sachen (Süssigkeiten, Schokolade usw.) angesehen und mit ihren Händen gestreichelt hatte, welche ich bei meinem Besuch im Jahr 2004 mit Deiner Hilfe für Deine Familie gekauft hatte! Und sie hatte mich ganz verzagt gefragt, ob sie und ihre Familie dies alles behalten dürften! Wenn ich das Geld gehabt hätte, ich hätte Euch für 1.000 Dollares solche Sachen kaufen und schenken wollen . . . ! 

Ich werde für Mama Reina beten, daß es ihr dort, wo sie jetzt ist, besser gehen möge als hier auf Erden. Wenn es den Gott gibt, an den wir alle glauben und als unseren treusorgenden Schöpfer und Vater verehren, dann wird er für diese anständige Frau sorgen und darüber wachen, daß es ihr jetzt gut gehen wird – in Anerkennung dafür, daß sie während ihres irdischen Daseins und trotz ihres schweren Krebsleidens so mütterlich für ihre große Familie gesorgt hatte! Es muß so sein! Soy seguro! 

Wenn sich unser christlicher Glaube erfüllen sollte, dann werden wir uns möglicherweise Alle einmal wiedersehen – am Ende des Regenbogens, wo uns dann niemand mehr trennen wird. Dort, mi querido Cristian David, werden wir uns dann sicher Alle wieder treffen und wir werden miteinander glücklich sein! Dort wird es keinen Neid, keine Mißgunst und keinen Haß und auch keine Not und keine Schmerzen mehr geben, wie hier auf diesem Planeten ERDE. Alla lo hay calma y armonía, igualdad y fraternidad! 

Ich bin so traurig, daß Mama Reina es nicht mehr erleben durfte, daß ich Euch, meiner lieben Familie Hernandez, helfen möchte, ein Häuschen zu bauen, in welchem ihr alle behütet und sicher leben könnt. Sie hätte sich ganz sicher sehr darüber gefreut – no crees tambien? 

Ich weiß, mi hijito, daß es sehr schwer ist, Trost zu spenden, wenn jemand fort gegangen ist, den man sehr schätzt und liebt, doch will ich es versuchen, Eure Trauer etwas zu mildern, mit einem sehr einfachen und doch so sinnvollen und auch tröstenden Spruch eines sehr berühmten Mannes, dem großen indischen Dichter, Weisen und Philosophen Rabindranath Tagóre,welcher auch mir und vielen meiner Freunde in sehr schweren Schicksalsstunden geholfen hat: 

Leuchtende Tage, 

nicht weinen, daß sie vorüber, 

sondern lächeln, daß sie gewesen. 

Nimm es mit einem dankbaren Lächeln an, daß Mama Reina viele Jahre Deine treusorgende Mutter und die zentrale Kraft Euerer großen Familie gewesen ist und ich will dankbar sein, diese tapfere Frau kennengelernt zu haben. Wenn ich Dich – vermutlich zu Weihnachten – besuchen komme, dann möchte ich das Grab von Mama Reina besuchen und ihr Blumen bringen, um ihr ebenfalls die letzte Ehre zu erweisen. Es wäre mir viel lieber gewesen, es hätte zu ihren Lebzeiten geschehen können! Und ich werde dann wieder viele Sorgenpüppchen (muñecas de pena) kaufen, um diese in Alemania an Menschen zu verschenken, welche auch Sorgen und Trauer haben wegen des Verlustets eines geliebten Menschen. So wird sich ein Kreis zwischen Leben und Tod schließen, zwischen Freude und Trauer, zwischen meinem Heimatland und meinem geliebten Guatemala. 

In Liebe und Trauer, te quiero mucho – Dein Patenonkel Gregory

Lesezeichen setzen:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Live
  • MisterWong.DE
  • MySpace
  • Technorati
  • TwitThis
  • Yigg
  • De.lirio.us
  • Google
  • LinkArena
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Furl
  • MisterWong
  • blogmarks

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert mit *

*
*