Michael Jackson: Ein goldener Sarg und eine Trauerfeier XXL

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Foto: aboutpixel.de - © Ralph Müller

Es war ein bombastische Trauerfeier – spektakulär und im großen Rahmen medial inszeniert. Viele betrachteten den Abschied von Michael Jackson mit gemischten Gefühlen, litten mit den “vorgeführten” Kindern mit  – und waren doch irgendwie fasziniert. Im Rückblick kann ich jedoch sagen: Die Abschiedsfeier von Robert Enke im Fußballstadion fand ich berührender, würdevoller und angemessener als die im Staples Center in Los Angeles mit goldenem Sarg.  

Ich gebe es zu, sie mir angeschaut zu haben, die XXL-Trauerfeier für Michael Jackson. Da ich sie nicht live sehen konnte, habe ich sie sogar aufgezeichnet und am späten Abend geschaut.

Jetzt bin ich berührt und abgestoßen zugleich, weiß nicht was richtig und was falsch war an dieser Inszenierung, die schon im Vorfeld für Diskussionen sorgte, Platz bot für Spekulationen und dies sicherlich weiterhin tut. Ich gebe es auch zu: an einigen Stellen musste ich weinen, an anderen eher nicht. Als Mariah Carey sang, hätte ich beinahe ausgeschaltet, so falsch hat sie gesungen und was bitteschön hat sie andauernd mit ihren Händen gemacht, sah aus, als ob sie ihren falschen Tönen den rechten Weg weisen wollte?

Brooke Shields war auch so ein Fall. Was wollte sie sagen? Ich habe es nicht verstanden. Sie waren gute Freunde und hatten viel Spaß zusammen. Ja, das war aussagekräftig…. Berührt war ich von Jermaine Jackson, der sichtlich bewegt für seinen Bruder sang und die letzten Zeilen nur noch weinte. Da ich an das Gute im Menschen glaube, bin ich sicher, diese Trauer war nicht gespielt. Sollte dies inzeniert gewesen sein, dann zolle ich hiermit all meinen Respekt, das war sehr gelungen! Derweil stand der goldene Sarg, geschmückt mit roten Rosen vor der Bühne. Ob er wirklich drin war, sicher gibt diese Frage sehr vielen Menschen Anlass zu Spekulationen. Grundsätzlich hat sich mir beim Schauen dieser XXL-Trauerfeier die Frage aufgedrängt, ob dies ein würdiger Abschied war? Würde ich so etwas für mich wollen? Hilft so eine Feier den trauernden Angehörigen, Freunden und Fans? Ich weiß es nicht.

Für mich hatte diese Feier einen bitteren Beigeschmack, denn in den letzten Jahren war Jackson ja nicht gerade ein Vorbild in Lebensführung. Wer gestern zugehört hat, hat davon nicht eine Spur mitbekommen. “Hero, Idol, King”, waren die Beschreibungen, die mit ihm in Zusammenhang gebracht wurden. Und deshalb kam es mir so falsch vor.

Die Anwesenheit seiner Kinder, die nun ohne Federmaske oder Schleier zu sehen waren, auch die hat mich nachdenklich gestimmt. Natürlich sollen sie ihren Vater verabschieden, aber jetzt sind ihre Gesichter der Öffentlichkeit freigegeben und ob die kleine Paris, die wirklich herzzerreißend ins Mikrofon geschluchzt hat (auch da habe ich mitgeheult, ich gestehe es) jemals wieder unerkannt irgendwo hingehen kann? Immerhin haben einige 100 Millionen Menschen sie am Bildschirm gesehen (das wäre übrigens der Grund gewesen, warum ich den Kindern untersagt hätte, Kaugummi zu kauen, das gehört sich einfach nicht).

Wirklich gefehlt haben mir mehr Bilder und Songs von Michael Jackson, das war schade. N24, wo ich geschaut habe, hat mich dafür entschädigt. auf die Trauerfeier folgte eine Dokumentation und dann ein Konzertmitschnitt ….

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11 Kommentare

  • Ich habe die Live-Übertragung der Trauerfeier für Michael Jackson nicht sehen können. Eine Verabredung deswegen sausen zu lassen, fand ich einfach zu krass, auch wenn ich schon neugierig war. Aber ich habe nun schon einiges darüber gelesen. “Religiöser Festzug trifft Awards-Show”, schrieb etwa die “New York Times” über die Zeremonie. Dem Internet hat die XXL-Feier Besucherrekorde beschert. 10 Millionen Besucher auf einem Portal – mein lieber Schwan! Auch nach Ende der Feierlichkeiten nehmen die Fans im WWW weiter Abschied von ihrem Idol. Mit massenweisen Videobeiträgen, Äußerungen in Diskussionsforen und Blogs wird Michael Jackson im Netz die letzte Ehre erwiesen. Allein bei Facebook sollen derzeit über 500 Michael-Jackson-Gruppen existieren. Und es gibt ein paar interessante virtuelle Gedächtnisstätten und Kondolenzbücher für den King of Pop. Ein Beispiel: http://www.mjackson.net/. Auf http://www.eternalmoonwalk.com tanzen Fans Jacksons “Moonwalk”. Auch ein Video, das “Jackos” Geist auf seiner Neverland-Ranch zeigen soll, geistert bereits durchs Netz. Ich fühle mich so ähnlich wie beim Fußball-Sommermärchen 2006 in Deutschland – nur unter anderen Stimmungs-Vorzeichen. Aber eigentlich ist das, was gerade passiert, viel größer, viel globaler, noch kollektiver – einfach megalomanisch! Die Welt verabschiedet sich auf allen medialen Kanälen von Jacko, in immer anderen, zum Teil neuen Ausdrucksformen. Ich bin sehr gespannt, was da noch kommt.

  • Thomas Brückmann Thomas Brückmann

    Ich habe mir diese Inszenierung bewusst nicht in voller Länge angesehen. Durch den ganzen Hype die Tage zuvor, war mir bereits vorher klar, welche Ausmaße dieser Event, ja, anders kann ich es nicht nennen, nehmen würde.

    Die Veranstaltung im Staples Centre war für mich an Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten. Zumindest sind das meine Eindrücke. Der goldene Sarg quasi als Mittelpunkt einer Zeremonie voller Heucheleien und Selbstdarstellungen. Ich nehme jedem Menschen seine echte und wahre Trauer ab, aber warum müssen die Kinder Jacksons nun plötzlich in die Öffentlichkeit gezerrt werden, vor der ihr Vater sie Jahre lang zu schützen versuchte? Was denkt sich eigentlich eine Familie dabei, eine Trauerfeier in einer Mehrzweckhalle abzuhalten? War dies bei Prinzessin Diana so? Bei John Lennon oder Freddie Mercury? Wie wird es irgendwann einmal bei Elton John sein? Zumindest nicht so.

    Michael Jackson war ein Show-Mensch. Seine ganze Familie lebt von diesem Geschäft. Leider scheint es so zu sein, als hätte das Show-Biz diese Menschen dazu verpflichtet, einen Moment der Trauer zu einem bunten Abend mit ernstem Hintergrund mutieren zu lassen. Sorry, aber das habe ich bei Benefiz- Veranstaltungen schon weitaus glaubhafter vermittelt bekommen.

    • Walter Walter

      Lieber Herr Brückmann,

      zum Glück ist ja Geschmack Geschmacksache. Ich glaube, diese Trauerfeier konnte gar nicht anders sein. Sie wurde ja genauso von den allermeisten Fans erwartet. Stellen Sie sich mal vor, die Familie Jackson hätte in aller Stille und ohne großes Publikum …….. ich hätte das Geschrei gerne mal gehört. Die Mentalität ist vielleicht auch nicht mit unserer vergleichbar. Wie sagt man so schön: andere Länder, andere Sitten.

      Vielleicht können Sie sich nicht daran erinnern, aber als z.B. Khomeini beigesetzt werden sollte …. dieses Chaos, der Leichnam fiel herunter weil hunderttausende ihn berühren wollten ….. Menschen nehmen auf verschiedenste Art und Weise Abschied und jeden dieser Abschiede sollte man respektieren und nicht als Geschmacklosigkeiten abtun …. weil Geschmack nun mal Geschmacksache ist.

      Machen Sie weiter so mit FriedWald !!! Sie sind gut!!

  • Thomas Brückmann Thomas Brückmann

    Hallo Herr Walter,

    natürlich kann man über Geschmack nicht streiten. Prinzipiell habe ich auch nichts gegen große Trauerfeiern. Das ist bei Stars aus dem Showgeschäft oder großen Politikern auch relativ normal. Was mir nicht gefiel ist die Art und Weise, wie diese Zeremonie ausgerichtet wurde. Und da ist die Tatsache, dass Eintrittskarten verkauft wurden, für mich nur eine kleine Randnotiz. Man kann einer Trauerfeier dieser Größe auch einen würdevolleren Rahmen geben. Aber wie erwähnt: das ist meine ganz persönliche Einstellung.

    P.S: Danke für das Lob.

    • Michael Bachmann Michael Bachmann

      An alle Leser,

      die verschiedenen Kommentare von FriedWald-Mitarbeitern zu der im TV übertragenen Trauerfeier für Michael Jackson veranlassen mich zu der Klarstellung, dass es sich – wie auch von den Schreibern angegeben – tatsächlich um die (legitimen) privaten Meinungen handelt und nicht etwa um eine FriedWald Sicht.
      Ein wichtiger Wert für FriedWald ist der Respekt vor der Individualität der Menschen, dies bedeutet auch dass sich FriedWald nicht anmaßt, den Stil oder die Würde einer Trauerfeier zu bewerten. Jeder trauert auf seine Weise, und es ist nicht unsere Aufgabe die Motivation der trauernden Angehörigen zu interpretieren. Viele Interessenten an FriedWald kommen gerade deshalb zu uns, weil sie sich der empfundenen sozialen Kontrolle ihrer Trauer durch die Öffentlichkeit entziehen möchten. Unsere Aufgabe ist es, der individuellen Trauer Raum und Zeit zu geben, und dies gelingt in einem FriedWald für viele Menschen besonders gut.

      Abgesehen davon ist es rein menschlich verständlich, dass man dennoch eine private Meinung zu Trauerfeiern wie der des King of Pop hat. Gäbe es nicht verschiedene Meinungen dazu, gäbe es vermutlich auch nicht die Unterschiedlichkeit in der Ausgestaltung von Trauerfeiern die ich gerade gewürdigt habe. Und ein Blog ist ja schließlcih genau dazu da, um unterschiedliche Sichtweisen auszutauschen.

      Allerdings gebe ich zu bedenken, dass man sich aus meiner Sicht mit einer veröffentlichten Kritik an der Veranstaltung unfreiwillig selbst auf diegleiche Ebene begibt und zum Teil des kritisierten “Entertainment Business” wird. Dieses lebt nämlich von der Aufmerksamkeit und oft auch von der Polarisation, denn eines darf es nie sein: langweilig.

  • Ferdinand Ferdinand

    Eine Gesellschaft, in der alles vermarktet werden kann, die macht auch vor der letzten Würde des Menschen keinen halt.
    Da können auch Eintrittgelder erhoben werden. Denn es muß ja profitabel werden. Selbst die Gefühle der Kinder, werden da vermarktet.
    Und so mancher “Künstler” konnte sich noch mal profilieren.
    Aber ist in einer Ellenbogen und entsolidarisierten Gesellschaftsordnung etwas anderes zu erwarten??

  • Meike-ChristineBöger Meike-ChristineBöger

    Hallo

    ich habe mir diese Trauerfeier auch angeschaut – in meinem kleinen Hotelzimmer in Griesheim. Und ich muß gestehen, ich war total gelangweilt – denn es wurden einfach zuviele Standardworte gesagt, die nicht wirklich persönlich waren. Und ich finde auch, daß viel zu wenig von Michel zu sehen war, war es nicht ein Gedenken an ihn???? Aber über Geschmack lässt sich nicht streiten – jedem das seine. Ich habe irgendwann nebenbei telefoniert und dann umgeschaltet. Es war mir einfach zu unpersönlich und eigentlich zeigt es doch, daß ihn niemand richtig kannte und er eigentlich total alleine war. Das ist mir bei dieser Inszenierung klar geworden – eigentlich hatte er doch echt ein scheiß Leben, oder? Bis demnächst. Meike

  • Walter Walter

    Ich finde die Worte des Herrn Bachmann hier sehr wichtig, sehr richtig und im richtigen Moment. Man bekam schon langsam die Vermutung, dass nur FriedWald weiß, wie man richtig zu trauern hat bzw. welche Trauerfeiern wo stattzufinden haben.
    Wenn das private Meinungen einzelner sind, ist das aber völlig in Ordnung.

    Danke Herr Bachmann

  • Peter Franz Bosch Peter Franz Bosch

    Hallo Leute,
    das Michael Jacksen nun Tod ist kann ich nur Schwer glauben, aber es ist nun mal so. Wir Menschen mussen nun den Michael in Frieden gehen lassen und egal was da noch alles kommen wird, er war ein Super Mensch in meine Augen. Ich denke er hat nun mehr Freiheit als auf der Welt, wo wir alle noch sind. Wir werden alle nicht für immer Sterben. Wir leben alle auf der nächsten Welt weiter,und so wird es auch Michael Jacksen gehen. In Frieden soll er ruhen bis wir alle wieder mit ihm Leben bei Gott. Wir alle müssten mal Gott suchen dann kommen auch gute Tage für uns alle Menschen. Ich rede nicht von der Kirche, ich rede von Gott dem Herrn, der auch nun Herrn Jacksen bei sich hat. Liebe Grüsse von mir Peter Franz Bosch

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