Erinnern Sie sich noch, wo Sie waren, als Sie vom Tod Michael Jacksons erfahren haben? Erreichte Sie die Meldung im Radio oder über das Internet? Am 25. Juni 2009 waren auch diejenigen erschüttert, die mit seiner Musik nicht so viel anfangen konnten – zum Beispiel ich während meines Urlaubs in Irland. Ich schrieb meine Gedanken damals hier nieder.
Irland-Urlaub, ein Freitagmorgen. Nichts besonderes, ich sitze im Schlafanzug auf der Kante des altmodischen hohen Bed & Breakfast-Bettes und schaue aus dem breiten Fenster auf die Bucht. Leicht diesiges Wetter, viele Wolken, schön, mich mal nicht so gegen Sonnenbrand wappnen zu müssen. Im Radiowecker dudelt Musik, dann kommt die Nachrichten-Fanfare. Zuerst die Schlagzeilen: “Michael Jackson has died at age 50″. Was??? Hab ich das richtig verstanden???
Ja, tatsächlich. Ich gebe zu, die meiste seiner Musik war nicht mein Geschmack. Trotzdem bin ich erschüttert, weil ich das, was ich über ihn aus den Medien mitbekam, oftmals auch erschütternd fand. Ich hatte immer das Gefühl, dass da ein zutiefst unglücklicher Mensch versucht, Frieden zu finden, wie auch immer. Ich wünsche ihm, dass er den Frieden jetzt gefunden hat.
Später im Mietwagen unterwegs durch die grünen Hügel, am Meer entlang – Irland wie im Bilderbuch. Im Autoradio auf allen Sendern Michael-Jackson-Songs. Selbst der Klassiksender zieht den Hut vor Jacksons offenbar genialer Kompositionskunst und spielt ein Beispiel dafür.
Weil ich noch eine Weile hier bin, werde ich vermutlich nicht viel von der Beerdigung mitbekommen: die TV-Versorgung ist in den B & B-Häusern teilweise nicht so doll, und im Urlaub auch nicht das Thema für mich. Ich erwarte viel Brimborium, und jeder Star und jedes Sternchen wird seinen Senf dazu geben. Jackson war Teil der Pop-Kultur, hat von ihr gelebt und ist vermutlich auch von ihr zerstört worden – nicht der erste, nicht der letzte. Ich starre auf das Faszinosum, dass mich der Tod eines Menschen, der für mein Leben ziemlich irrelevant war, betroffen macht.
Vielleicht – oder gerade deswegen – weil so viel Leid in seinem Leben so öffentlich war. Und jetzt ist es vorbei.






















Hallo Lucida,
mir geht es im schwül-warmen und gewittrigen Deutschland ähnlich wie dir. Als ich meine Zeitung aus dem Briefkasten holte, sprang mir gleich auf der Titelseite die Nachricht vom Tod Michael Jacksons ins Auge. Zumindest als Teeanger fand ich “Beat it” und vor allem das Thriller-Video klasse. Michael Jacksons ausgefeilte Choreographie kombiniert mit einer richtigen filmischen Handlung waren damals in der Musikvideo-Welt außergewöhnlich und sensationell gut. Die aktuelleren Songs von Michael Jackson haben mich nicht mehr berührt – nur noch die vielen Schlagzeilen über ein Leben, das auch ich – von außen betrachtet – als unglücklich bezeichnen würde. Ich hätte nicht an seiner Stelle sein mögen … Und vermutlich ist es tatsächlich diese Kombination aus Faszination, Grauen und Mitgefühl für ein *verpfuschtes* Leben, die nun die Welt so entsetzt und erschüttert auf den Tod des King of Pop reagieren lässt. Nicht von ungefähr erklärte US-Präsident Barack Obama in seiner Würdigung des Pop-Idols, dass es auch “tragische und traurige Aspekte in Jacksons Leben” gegeben habe.
Tja. Nun ist er gegangen, der selbsternannte King of Pop. Eine tragische Figur in einer Gesellschaft, die Menschen wie ihn auf Schritt und Tritt verfolgt hat. Jacksons Leben wurde wahrscheinlich schon früh durch seinen Vater zerstört. Den Leistungsdruck, den zuerst sein Vater auf ihn ausgeübt hatte, hat sich Jackson irgendwann selbst auferlegt. Und er ist vielleicht an ihm zerbrochen. Ein Mann, der keine Kindheit hatte, der nie wirklich gelebt hat, scheiterte an seinem Wahn “Weiß” zu sein und seine Kindheit als Erwachsener auszuleben. Dass dann auch noch die Gerüchte wegen einer pädophilen Neigung aufkamen, taten ihr übriges dazu, Jackson psychisch zu ruinieren.
Es ist immer tragisch, wenn eine Person, die derart in der Öffentlichkeit stand, einen frühen Tod stirbt. Auf der anderen Seite finde ich es bedenklich, dass die Medien diesen Vorfall bis ins kleinste Detail zerlegen, während in Afghanistan junge deutsche Soldaten sterben und im Iran ein Volk um seine Freiheit kämpft. Mir fehlt hier irgendwie die Verhältnismäßigkeit. Aber “these are just my 2 Cents”.
Danke fuer den letzten Absatz!!! No further comment.
Michael Jackson… Hmmm… Hat der nicht früher mal Musik gemacht? Ich bin zwar aufmerksamer Musik-Hörer, aber eher seltener Leser der Klatschpresse. Daher hab ich wohl die letzten 20 Jahre nicht viel von Michael Jackson mitbekommen.
Nun ja, abgesehen davon kann ich meinem Vorredner nur zustimmen. Es gibt wichtige Themen – und es gibt den Tod eines einsamen und wohl medikamentensüchtigen 50-Jährigen, der in Deutschland längst Dauergast bei Peter Zwegat’s “Raus aus den Schulden” wäre.
Ja, so langsam mag auch ich die Jackson-Schlagzeilen Tag für Tag einfach nicht mehr lesen. Erst soll er aufgebahrt werden, damit die Fans Abschied nehmen können, dann wieder nicht. Jedes Detail der Obduktion und der Ermittlungen – die Medien kennen keine Gnade. Und die Jackson-Familie macht erfolgreich Marketing. Die Bilder der letzten Bühnen-Show, die er in London zeigen wollte, sind für die Presse freigegeben worden. Vielleicht sollte ich meine privaten E-Mails gar nicht mehr abfragen – bei web.de gibt es derzeit kein anderes Aufmacher-Thema, weil die Klicks die Themenasuwahl bestimmen. Die meisten User wollen das offenbar tatsächlich lesen …
Vielleicht ist es auch einfach (?) so, dass wir uns grad im multimedialen journalistischen *Sommerloch* befinden? Ist jedenfalls was, was mir seit heute nacht eine (weitere) mögliche Erklärung zu sein scheint für diese Fortdauer und Fortdauer und Fortdauer, mit der sich das Thema selbst noch nach der Beerdigung in Nachrichten und auf Webseiten hält und hält und hält. Ich war sehr froh, heute früh endlich mal wieder Radionachrichten ohne eine einzige Zeile zu MJ zu hören! Es gibt noch andere Themen – auch im Sommer – allein sie zu finden scheint den meisten Journalisten zu viel Aufwand, wenn sich doch da EIN Thema geradezu “aufdrängt”.
“This Is It!” – der Musikdokumentrafilm, der den King-of-Pop bei den intensiven Proben zu seinem London-Comeback zeigt, wird anlässlich der ersten Todestages erstmals in voller länger im Deutschen Fernsehen zu sehen sein. “This Is It”: Donnerstag, 24. Juni 2010, 20:15 Uhr auf ProSieben. Auf jeden Fall sehenswert, denke ich.
[...] Abschied von jemand, der mir nicht viel bedeutet [...]