Abschiedsmeditation

Der Winter geht...

Der Winter geht...

 Meditation  

Abschied – hineingehen und nehmen. Alleine … ich erfahre so viel Neues, vor dem ich Angst habe. Immer erinnert mich alles an Dich. Jeder Gedanke wird mit Dir verknüpft. Wir haben so viel geteilt. Den Schmerz des Verlustes möchte ich einfach nicht spüren. Niemals! Mir wird angst und bange. Ich versuche die Gefühle auszuschalten, doch es gelingt mir nicht. 

Unendliche Wassermassen sind schon meine nun brennenden Augen hinunter gelaufen. Sie haben meine Haut berührt, meine Seele unendlich leiden lassen. Ich mag nicht mehr. Niemand ist so allein wie ich, denke ich, und weine wieder… trockene Tränen. Es ist ein Tanz… um den endgültigen Abschied herum. Ich möchte es nicht wahrhaben … Und doch ist es so. Heute ist es genug. Einige Zeit, von der ich nie dachte, dass sie kommt, ist vergangen und es ist Zeit nach vorne zu schauen. In eine Zukunft auch ohne Dich. Mich auf mich und meine Stärken besinnen. Wieder am Leben teilhaben. Mich wieder spüren, mir auch in der Trauer erlauben, kurz zu Lachen und das Tröstliche wieder zu spüren. Mich nicht mehr bestraft fühlen. Das möchte ich! Gestärkt aus dem Verlust treten. Ich habe überlebt, bin innerlich weiser geworden. Habe viel erfahren und lösen müssen. Mich vom Wir zum Ich hin bewegen. Meine inneren Schätze finden und auch lieben lernen. Heute ist der Tag, an dem ich mich tragen lasse. Mich lieben lasse von Gott und von mir selbst. Ich lege mich bequem hin und lasse alle Gedanken zu einfach durch meinen Kopf ziehen. Wie Pferde, die auf mich zu rennen, beobachte ich ihr ankommen.  

Nun probiere ich aus, wie es ist, sie einfach an mir vorbei laufen zu lassen. Sie zu beobachten wie sie weiterlaufen, verschwinden… immer kleiner werden. Kleine Punkte am Horizont. Nachdem ich einige Gedanken so auf der Reise an mir vorbei beobachtet habe…merke ich, dass ich sie nicht mehr greifen kann. Sie sind da, aber der Inhalt ist nicht greifbar. Fast wie Ruhe. Ruhe, nach der ich mich lange sehnte. Langsam ganz langsam gewöhne ich mich daran, zu wissen: Sie sind da… aber ich muss ihnen nicht mehr zuhören. Leiser immer leiser werden sie. Wie an einem Radioknopf drehe ich sie auf „leiser“ bis sie ganz verschwunden sind. Nun ist es wirklich ruhig. Gelassenheit macht sich in meinem Inneren breit, bis sie mich ganz ausfüllt. Ich tauche in die Ruhe der Erholung ein. Wissend, dass ich zurückkehren kann. Zurück in den Alltag und in den Schmerz. Aber nun ist Erholungszeit. Ganz mit mir und meiner göttlichen Führung lasse ich mich fallen. Streicheln, halten…  

Noch einmal laufen Tränen. Wohltuende Tränen der Rührung, Tränen des Berührt-Werdens, Tränen des Sicheren-Hafens. So geborgen und gehalten habe ich mich noch nie gefühlt. Mir wird klar, dass ich nicht am Ende, sondern am Anfang stehe. Ich kann ganz in meinem Tempo weitermachen. Mich und meine Verbindung nach oben halten und haltbar machen. So, dass ich eine Basis habe. Eine Stütze für den Alltag. Allein und doch nicht allein. Das ist schön und heilsam. Ein Licht am Horizont taucht auf. Ich freue mich, nun Liebe und Bestätigung durch mich und die unsichtbare Kraft, die mich trägt, zu finden. Langsam ohne Eile komme ich zurück aus meiner Oase des Friedens, wieder in meine Alltagswelt. Öffne die Augen, schaue mich um und entdecke die Farben, die ich lange nicht sehen konnte. Danke!  

E N D E  

Copyright Claudia Herzog – http://www.claudia-herzog.com/

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