Lars- Enrico (8) weinte, als sein Goldhamster Otto starb. Die Mutter griff die kleine Leiche mit einem Stück Küchenkrepp, brachte sie zum Müllschlucker und sagte: “Heul nicht, wir kaufen einen neuen!” Zwei Tage danach war Otto II. da. Possierlich wie sein Vorgänger. Als Lars- Enricos Großvater gestorben war, lief der Junge wochenlang verstört umher. Man hatte ihm mitgeteilt, dass der Opa im Krankenhaus liegt.
Lars Enrico hatte die Unruhe verspürt, als man nach Blumen telefonierte und der Vater nur noch herummeckerte. Unter anderem darüber, dass “in diesem Haushalt ja nicht einmal eine schwarze Krawatte zu finden sei.”
Doch am Tag der Beisetzung wurde der Junge wie gewöhnlich zur Schule geschickt. Ein Klassenkamerad klärte Lars- Enrico auf, dass man seinen Opa eingrabe. Die Eltern hatten dem kleinen Mann gesagt, dass der Opa jetzt im Himmel sei und freundlich auf sie alle herunter schaue. Lars- Enrico stand nun da und fragte sich irritiert: “Ist mein Opa nun im Himmel oder haben sie ihn eingegraben?” Während er immer trauriger wurde, dachte er: “Warum hat mir keiner gesagt, dass Opa krank ist und sterben muss?” Als die Abschiedsfeier war, hörten alle auf über den Opa zu reden. Lars Enrico fehlte darum der Mut, seine Fragen zu stellen.
Wenige Tage später bekundete eine Nachbarin ihr Beileid und fragte Lars Mutter: “Wie geht es Ihnen jetzt ohne Ihren Vater und wie verkraftet es denn der kleine Lars, dass sein geliebter Opa nun verstorben ist?” Die antwortete darauf: “Danke. Es geht. Am besten werden wir damit fertig, es zu verdrängen. In unserer Familie wurde nie über Sterben und Tod geredet. Das halten wir jetzt auch so und ich finde, auch für unser Kind ist das ein guter Weg. Wir haben ihn deshalb auch in die Schule geschickt, anstatt ihn mit zur Trauerfeier zu nehmen. Kinder mit so traurigen Sachen zu belasten, halte ich für verkehrt.”
Die Nachbarin war etwas sprachlos und dachte nur: “Aber Fernsehen schaut der Lars- Enrico und sieht dabei bestimmt mehr als einen Toten pro Tag.” An die Mutter des Jungen gewandt sagte sie nur noch: “Mein Mitgefühl ist mit Ihnen.” (nach einer Idee des VDT Duisburg)




















