Nicht nur in Japan ist es üblich, bei der Trauerfeier ein Foto des/der Verstorbenen beim oder auf dem Sarg zu sehen. Diese Sitte ist mir auch in einigen europäischen Ländern schon begegnet. Auch bei meiner Mutter gab es so ein Foto, was allerdings keine Profi-Fotografie war. Wir wählten den Ausschnitt eines Fotos aus, welches sie als gesunde Frau zeigt – das gleiche Foto stand auf ihrem Sarg und war auch im Trauerkärtchen enthalten. Die allernächsten Angehörigen haben das Foto zusätzlich im A4-Format bekommen.
Die Steinmetzin musste letztlich zusätzlich zu den Arbeiten am Grabstein eine Porzellanmalerin beauftragen. In dem Land, deren Staatsangehörigkeit meine Mutter (auch) besaß, ist es nämlich zusätzlich üblich, ein Foto des/der Verstorbenen an der Grabstelle anzubringen. Damit das “wetterfest” ist, braucht es eben solche Spezialfähigkeiten. Gerade gestern hörte ich zufällig (?) ein Gespräch auf dem Friedhof, wo sich ein Ehepaar darüber unterhielt, ob es den Trauernden Hinterbliebenen nicht eher schwer gemacht würde durch ein solches Bild.
Bei mir hängt das entsprechende Foto so, dass ich täglich mehrfach daran vorbeigehe. Manchmal führt das zu einem kurzen “Kontakt”, manchmal gibt es auch nur einen “Blickwechsel”. In meiner Wahrnehmung hält so ein Foto die Verbindung nochmal anders aufrecht. Und ganz besonders dann, wenn es sich um ein Foto mit “Wiedererkennungswert” handelt. Ich weiß, wie es entstanden ist. Manchmal denke ich auch daran. Meist schwingt diese Information jedoch eher im Hintergrund mit. Insofern bin ich froh, dass es kein professionelles Foto ist. Aber das ist in Japan vielleicht auch noch mal anders, wo es einfach (?) so “Sitte” ist, wie es in besagtem Artikel beschrieben steht.
Schöner sterben in Japan hat eine ganze Reihe von Impulsen ausgelöst. Ehe ich die Kommentarfunktion “überfordere”, gibt es einfach diesen zusätzlichen Artikel. Ich finde die dort gestellte Frage nämlich auch sehr interessant, ob jemand sich schon mit der eigenen Beerdigung befasst hat. Ich könnte mir vorstellen, dass da mehr Antworten kommen, wenn ich die Foto-Story
etwas ausführlicher in einem spearaten Artikel “kommentiere”.





















Hallo etolm,
Sie haben recht – Fotos bei der Trauerfeier oder am Sarg sind nicht ungewöhnlich, schon selbst dafür Sorge zu tragen, dass ein vernünftiges Foto für die eigene Trauerfeier vorliegt, schon eher. Da kenne ich hierzulande noch niemanden persönlich, der sich darum Gedanken macht. Und Fotografen, die sich auf das letzte Foto spezialisiert haben, sind mir in Deutschland nicht bekannt. Vielleicht meldet sich hier ja noch einer …
Hallo, ein Foto bei der Abschiedsfeier empfehle ich den Angehörigen, die ich begleite immer. Das sollte allerdings eines mitten aus dem Leben sein, auf dem der oder die Verstorbene in einem besonderen Augenblick abgebildet ist. Dieser unvergessliche Moment strahlt dann trostvoll in das letzte Fest. Manche Angehörigen beschäftigen sich sehr intensiv mit diesem Aspekt der Abschiedsfeiergestaltung. Bauen selber einen Rahmen oder lassen einen passenden Rahmen anfertigen.
Unter dem letzten Foto verstehe ich eher die Postmortemfotographie, die sich mit der Entstehung der Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte. Auf diesem Bild ist der Mensch abgebildet, wenn er verstorben ist. Eine Alternative zum Abformen der Totenmaske. Den Menschen selbst ein letztes Mal ablichten kann Teil der Trauerarbeit sein und dabei helfen, den Tod zu begreifen. Oder man engagiert einen professionellen Fotografen. Wer sich darauf spezialisiert hat, ist mir allerdings unbekannt.
Musée d’Orsay: Postmortemporträt einer alten unbekannten Frau
[...] Artikel wurde schon einmal sehr ähnlich via Abschiedsvorstellung.de veröffentlicht; hier findet er sich als “Datensicherung” unter dem gleichen Datum hinterlegt. [...]