Extasy an Ostern

Technoparty

Technoparty, © carlos g. - aboutpixel.de

Ich hatte mich vor ein paar Jahren mit Melanie angefreundet und wir zogen seit ein paar Wochen um die Häuser. Wir verstanden uns gut und unsere Freundschaft entwickelte sich in zarten Banden. Am frühen Ostersonntagmorgen klingelte mein Handy, im Display meine Freundin Melanie: Verwundert und schlaftrunken vermutete ich einen Notfall und ging ans Telefon. Stattdessen dröhnte mir eine Männerstimme ins Ohr und fragte mich um sieben Uhr morgens, ob ich nicht mal eben nach Essen kommen könnte. Ich erkannte die Stimme, es war Thomas, eine flüchtig bekannte unglückliche Figur.

Plötzlich hellwach und stinksauer fragte ich, ob  er total bescheuert sei und drohte Unaussprechliches, sollte er mich jemals in seinem Leben noch mal anrufen. Schließlich hatte ich bisher höchstens 4 Sätze mit Ihm gewechselt. Darauf fiel ihm wohl nichts mehr ein. Nach dem Auflegen entschloss ich mich den Morgen im Bett zu bleiben und den Anruf zu vergessen. Da summten jedoch die Fragen nach dem “Was-sollte-das- ganze-überhaupt?” in meinem Kopf. Mir fiel dann wieder ein, dass er ja mit dem Telefon meiner Freundin Melanie angerufen hatte.

Ich schaute immer abwechselnd an die Decke meines Schlafzimmers und zum Fenster, beides einladend blau. Die Sonne tat Ihr übriges. Ich beschloss mich bei meiner Familie zum Ostermahl zu verabreden. Das klingeln des Telefons riss mich aus meinen Gedanken. Mein Telefon blinkte, “Melanie ruft an”, stand da im Display. Zögernd und zum Ausspruch deutlicher Worte bereit, griff ich zum Handy. Es war Melanie, der Klang Ihrer Stimme ließ mich verstummen. Sie klang wie betäubt. Ich fragte sie, ob alles in Ordnung sei. Zögerlich flüsterte sie, sie könne nicht mehr und ob ich Ihr helfen könnte. Verzweifelt folgte, ob ich sie in Essen im Westviertel von einer Techno-Veranstaltung holen könnte. Ich überlegte kurz und entschloss mich nach einer letzten Frage die verneint wurde ob sie Drogen genommen hätte, sie abzuholen.

Nach ca. 30 Minuten war ich an der Technohalle und suchte meine Freundin. Mir bot sich ein beeindruckendes Schauspiel. Hunderte von Menschen tanzten rhythmisch sonntagvormittags, so mancher mit einer Wodkaflasche in der Hand. Alle jedoch sicherlich auf Droge. Im Hintergrund wummerte von Paul van Dyk das Lied “Wir sind Wir”. Und Peter Heppner sang: “Wir sind wir, wir steh’n hier, aufgeteilt, besiegt und doch, schließlich leben wir ja noch. Wir sind wir, wir steh’n hier, Das kann’s doch nicht gewesen sein, Keine Zeit zum traurig sein.“

Ich stapfte durch die Halle und suchte, bereute es in so einem Etablissement gelandet zu sein. So was hatte ich noch nie gesehen. Menschen am Rande der Ohnmacht klammerten sich beim Tanzen an ihre Schnapsflaschen und grinsten zufrieden vor sich hin. Es regnete Pillen von einer Balustrade und unten schnappen die Tanzenden mit offenen Mündern nach dem Zeug. An einer Bar bestellte ich mir sicherheitshalber eine verschlossene Getränkedose. Die ließ ich auch später nicht unbeaufsichtigt. Wer weiß was hier noch so runterregnet. Es war wie im falschen Film. Ich gehörte hier einfach nicht hin.

Zufällig fiel mein Blick auf Melanie. Sie kam sofort auf mich zu und war ganz erleichtert, dass ich tatsächlich gekommen war. Im Schlepptau der Telefonjoker Thomas. Mir wurde klar, dass sie mich angelogen hatte. Ihr Blick (Pupillen so groß wie Frisbees) verriet, dass sie total zugedröhnt war. Ich fragte ruhig nach und sie wich meiner Frage aus. Sie war mir plötzlich total fremd und so verabschiedete ich mich ohne große Worte. Sie hat sich am nächsten Tag bei mir mit weitreichenden Erklärungen entschuldigt. Danach war es nie wieder so wie vorher. Ich ging ihr aus dem Weg und so versickerte alles im Sande.

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