Am Ende eines Projektes

Projekte: Start und Ziel, Foto: © Carmen-Steiner - Fotolia.com

Projekte, Start und Ziel, Foto: © Carmen-Steiner - Fotolia.com

Ich habe zusammen mit anderen 3 Jahre lang einen Teil meiner Zeit in ein mir wichtiges Projekt gesteckt. Wir haben Fortschritte gemacht und uns an den Fortschritten gefreut. Gestritten. Weitere Fortschritte gemacht und uns dann wieder an den Fortschritten gefreut. Immer weiter Zeit und Energie in das Projekt gesteckt und natürlich den Verantwortlichen davon berichtet. Diese Verantwortlichen entschieden nun, dass das Projekt beeerdigt wird.

Das geplante Ziel sei erreicht – anders als geplant, aber erreicht. In das Projekt sei daher keine weitere Zeit und Energie zu investieren.

Es stimmt: auf der formalen Ebene ist das Ziel erreicht worden. In der Zwischenzeit ist reichlich Zeit und Energie in dieses Projekt geflossen, was den Verantwortlichen auch bewusst war bei ihrer Entscheidung. Offenbar floss auch Herzblut mit in dieses Projekt. Dennoch blieb mir zunächst verborgen, wie sehr es mir ans Herz gewachsen war. Als es jedoch beendet war, hinterließ es einen Schmerz, der mir unerklärlich schien. Es war doch “nur” ein Projekt? Niemand ist gestorben oder weggegangen?

Erst nachdem ausgesprochen wurde, dass es nicht nur “vorbei” ist, sondern dass es beerdigt wird, wurde mir deutlich, dass auch das Ende eines Projektes manchmal einem Abschied gleich kommen kann. Ich war erschöpft und sehr dünnhäutig in den nächsten Tagen. Und ich stellte fest, dass das “normal” ist.

Als meine Mutter starb und wir sie beerdigten, war ich zunächst mit viel “Rennerei” und der “Organisation” beschäftigt, die so eine Beerdigung mit sich bringt. Erst als sie wirklich beerdigt war, war da Platz für Erschöpfung. Und für Dünnhäutigkeit. Für das Wahrnehmen dessen, was zwischen meiner Mutter und mir war und was jetzt anders ist. Und inzwischen wieder anders geworden ist. Sie ist immer noch beerdigt. Die Beziehungen um sie herum haben sich verändert. So ist das auch mit diesem Projekt. Es gab eine Gruppe von Menschen, die sich für dieses konkrete Projekt zusammenfanden. Am Ende des Projektes wird auch das sich verändern.

Was wünsche ich mir? Ich wünsche mir, dass es für das Projekt einen Ort gäbe, wohin ich gehen kann, wenn ich mich mit denen verbinden will, die sich für das Projekt einsetzten.

Danke an dieser Stelle übrigens für dieses Projekt der “Abschiedsvorstellung”! Es hilft (auch) mir, etwas zu formulieren und mit Ihnen/Euch zu teilen, mit dem ich sonst allein bliebe. Es bietet einen Ort, wohin ich gehen kann, wohin Andere kommen können. Danke.

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