Robert Enke: Im Tod noch Werbeträger

Trauerkerzen, Thomas Detert - fotolia.com

Das Sargmodell, in dem Robert Enke beigesetzt wurde; Foto: Bestatter Brian Müschenborn

Spätestens seit der Beisetzung am 15. November kennt ganz Deutschland den Fußballer Robert Enke. Doch nicht nur diesen. Durch die Trauerfeier rückte auch Enkes Frau Teresa, sowie seine engsten Freunde in den Blick der Öffentlichkeit. Auch der Sarg, in dem Robert Enke begraben wurde, war Blickfang für Millionen von Menschen – wurde er doch im Mittelkreis des AWD-Stadions aufgebahrt, dem Stadion von Hannover 96, und immer wieder von den Kamerateams ins Visier genommen. Das dürfte vor allem den Bestattungsinstituten gefallen haben.

Purer Sachhinweis oder gezielte Werbestrategie?

Eine bessere Werbung kann man sich doch kaum vorstellen, oder? Das sah zumindest Bestatter Brian Müschenborn so, der zwar nicht den Sarg für Enke lieferte, aber jenes Modell sofort erkannte – ein durch seine optische Schlichtheit aussagekräftiges Designermodell aus Eschenholz, in dem Medienberichten zufolge auch Papst Johannes Paul II.  zu Grabe getragen wurde. Dieses Modell steht schon seit einem Jahr im Schaufenster des “Trauerhauses” Müschenborn. Seit dem 15. November ziert das Sargmodell im Schaufenster nun ein Schild mit der Aufschrift: “In diesem Sargmodell wurde der Nationaltorwart Robert Enke beigesetzt”. Purer Sachhinweis oder gezielte Werbestrategie? Fakt ist, dass sich die Menschen von Werbebotschaften, die den Stempel von prominenten Persönlichkeiten tragen, eher leiten lassen, als von Werbebotschaften, hinter denen sich kein prominentes Gesicht verbirgt. Aus dieser Sicht hat Brian Müschenborn scheinbar alles richtig gemacht. Denn obwohl sein Mitinhaber Martin Wind versichert, dass es sich nicht um einen gezielten Werbegag handelt, sondern lediglich um einen Sachhinweis, geht das Konzept des Bestattungsinstituts auf. Das Schild zieht die Blicke der Passanten magisch an, so dass sie vor dem Schaufenster stehen bleiben. Dass aber Fußgänger aufgrund des Hinweises hereingekommen wären, haben Müschenborn und Wind noch nicht erlebt.

Der Tod – noch immer ein Tabu-Thema

Wahrscheinlich ist die Hemmschwelle vieler Menschen dann doch zu groß – geht es doch trotz aller Fußballliebe um das heikle Thema Tod, mit dem sich viele Menschen nicht beschäftigen wollen. Die Frage ist jedoch: “Ist es verwerflich, Werbung mit dem Tod zu machen, indem man mit dem Bild eines Verstorbenen wirbt?” Ich bin der Meinung, dass dem Thema Tod in der Bevölkerung mit mehr Offenheit begegnet werden sollte. Der Tod ist Teil unseres Lebens und sollte nicht länger als Tabu-Thema in unseren Köpfen verankert sein. Ich empfand die öffentliche Trauerfeier Robert Enkes als einen Schritt in die richtige Richtung. Die Menschen haben ihrer Trauer freien Lauf gelassen und sich nicht davor gescheut, diese Trauer öffentlich zu machen. Viele Menschen haben aus dieser Trauerfeier Kraft geschöpft, da sie erfahren haben, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine sind.

Jede Branche lebt von Werbung

Da der Tod zum Leben dazugehört, gehört auch das Werben mit dem Tod zum Alltag, wie es auch in jeder anderen Branche üblich ist. Warum sollte man nicht mit dem Sargmodell Robert Enkes werben? Ist es schlimm, den Wunsch zu hegen, in dem gleichen Sarg wie Robert Enke begraben zu werden? Man kauft sich doch auch zu Lebzeiten Dinge, die einem gefallen, so beispielsweise als Enke-Anhänger das Trikot des Nationaltorwarts. Warum sollte man sich dann nicht auch in dem gleichen Sargmodell wie Enke beisetzen lassen? Und Särge sind auch nur Gegenstände wie beispielsweise Betten auch, nur eben als Liegefläche in einem neuen Leben. Warum also sollte es verwerflich sein, für diese Gegenstände zu werben? Für viele Menschen mag es makaber sein, mit einem Schild mit der Aufschrift: „In diesem Sargmodell wurde der Nationaltorwart Robert Enke beigesetzt“ zu werben, aber wenn man sich vor Augen führt, dass die Beschäftigung mit dem Tod zum Alltag dazugehört, bekommt man eine andere Sichtweise. Der Tod ist Teil unseres Lebens!

Zum Tod von Robert Enke: Abschied von einem falschen Heldenideal

ScienceBlogs: Der Selbstmord und die Lage der Nation

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