Abschied auf Raten?

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Ade, Foto: © Maren Besle - pixelio.de

Vor fast 20 Jahren trat eine Frau in mein Leben, die mir lange Zeit “beste Freundin” war. Sie zog irgendwann weg aus meiner/unserer Stadt und wir blieben einander noch eine Weile weiter verbunden. Irgendwann wurde es ihr zu nahe und sie verletzte mich mit ihrem schriftlich formulierten Ansinnen auf mehr Distanz.

Eine Weile gab es dann eine Pause und schließlich eine vorsichtige Wiederannäherung. Sie zog erneut um. Wieder näherten wir uns etwas an, es wurde aber nicht mehr so nahe wie “früher”. In den letzten paar Jahren wurde der Kontakt zunehmend spärlicher. Ich probierte aus, ob sich der Kontakt wohl dennoch irgendwie halten lassen würde. Und traf auf wenig “Gegenliebe”. In den vergangenen Wochen verstärkte ich meine diesbezüglichen Bemühungen. Um nun von ihr “Lebe WOHL” zu lesen – in dieser neumodischen Zeit via Mail statt via Brief oder persönlichem Gespräch.

Sie wollte den Kontakt “im Sand verlaufen lassen”. Und ich wollte wissen, woran ich bin. Das weiß ich nun. Und es tut weh. Ich hatte wohl immer noch und immer wieder gehofft, es würde wieder werden “wie früher”. Das wird es nun SICHER nicht mehr. Wäre mir anderes lieber gewesen – weiter hoffen, ohne wirklich zu wissen? Wahrscheinlich nicht.

Mich erinnert das schon auch an die Sterbebegleitung mit meiner Mutter. Da erlebte ich mit, wie sie “zunehmend weniger” wurde. Anfangs konnte sie noch zusammenhängend reden, später gab es noch kurze Zeiten, in denen das geschah, noch später wurde sie vollends verwirrt – sicher auch durch ihre Medikamente. Manchmal hatte dann das noch einen Zusammenhang mit ihrem aktuellen Leben, was gerade geschah. Ganz am Schluss war sie kaum noch bei Bewusstsein. Als sie starb, starb sie ohne mich. Ich HABE mich von ihr verabschiedet – auf Raten. Und bin ihr dann irgendwann wieder neu begegnet. LEBE mit ihr. Und doch ohne sie. Ob mir das mit dieser Frau, die mal meine Freundin war, auch so gehen wird? Wie geht es Euch/Ihnen, wenn Menschen das bisherige gemeinsame Leben verlassen?

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4 Kommentare

  • Lucida Lucida

    Ich hatte mehrere Jahre lang eine gute Freundin, mit der ich alles teilen konnte. Wir kannten uns schon aus der Schule, hatten uns aber erst danach angefreundet. Als sie für ein paar Monate ins Ausland ging, habe ich sie sehr vermisst. Wir haben uns viele Briefe geschrieben (das war vor der E-Mail-Zeit), und knüpften wieder an, als sie zurück war. Allerdings hatte sich etwas verändert – oder besser: ich hatte mich wohl verändert. Ganz sachte wandelte sich auf Grund verschiedener Ereignisse mein Selbst- und Weltbild, was D. manchmal nicht teilen konnte, sogar teilweise zu belächeln begann. Das trennte uns ein wenig, war aber für mich okay. Aus heiterem Himmel sagte sie dann eines Tages telefonisch – wenige Stunden vor Beginn – ihre Teilnahme an meiner Party ab, und dass sie die Freundschaft überhaupt beenden möchte. Sie empfinde zu viel Enge, Druck, Erwartung, als Beispiele nannte sie Dinge, die uns bisher verbunden hatten. Ich war vor den Kopf geschlagen, aber was sollte ich tun? Ich hörte dann nichts mehr von ihr.

    Das alles liegt über 15 Jahre zurück, und ich habe immer wieder an D. gedacht. Ich habe überlegt, mal ihre Eltern nach ihr zu fragen, ließ es dann aber. Ich habe im Internet nach ihr gegoogelt, fand sie aber nicht. Ich wünschte mir die Vertrautheit und Unterstützung – und auch den Spaß und das Lachen zurück, das wir hatten. Lange habe ich ihre Briefe aufgehoben, aber als ich merkte, dass sie keine Gültigkeit mehr haben, habe ich sie weggeworfen. Wenn Klassentreffen anstanden, hoffte ich sehr, sie dort wieder zu sehen, aber sie kam nicht.
    Beim letzten Treffen war eine Frau da, die Kontakt zu D. hat, und ich fragte sie nach ihr. Sie meinte, D. habe sich seit der Schulzeit überhaupt nicht verändert, und erzählte ein wenig. Dieser erste Satz aber prägte sich mir ein, und etwas später machte es “klick” bei mir. D. hat sich nicht verändert, aber ich habe mich noch viel weiter in der Richtung entwickelt, die ich damals eingeschlagen hatte. Wir würden uns heute fremd sein. Das, was wir hatten und teilten, ist wirklich längst vorbei. Ich wünsche ihr in Gedanken alles Gute und lasse los.

  • nica nica

    Hallo,

    ich kann die Situation gut nachempfinden, die Sie da schildern.

    Mir kommt sofort eine ehemalige Bekannte/Freundin (ja, was denn eigentlich?) in den Sinn. Wir gingen jahrelang zusammen zur Schule, waren aber nie wirklich befreundet. Zu Beginn des Studiums haben wir uns sehr angenähert und für mein Empfinden eine Freundschaft aufkeimen lassen. Wir waren in sehr ähnlichen Lebenssituationen, redeten viel und schrieben unendlich viele Briefe, Zettel und Messages. Ich dachte wirklich, da entwickelt sich eine tiefe neue Freundschaft, ein Vertrauensverhältnis … Als sich dann in ihrem Leben etwas änderte und sie erstmal mit sich selbst zurecht kommen musste, hat sie mich völlig außen vor gelassen, ich habe sie wohl “genervt”, weil ich natürlich auch dann ein bisschen was von ihr mitbekommen wollte … Sie dagegen wollte das glaube ich ebenso wie Ihre “Freundin” machen, es “im Sande verlaufen lassen”. Ich war sehr verletzt und kam mir vor wie der letzte Idiot, weil ich mich so in ihr und unserem Verhältnis getäuscht hatte.

    Wenn ich nochmal in so eine Situation komme, jemanden neu kennen zu lernen und eine Freundschaft entstehen zu lassen, werde ich mich sicher nicht mehr so darauf einlassen …

    Aber auch das gehört dazu, selbst, wenn man es nicht versteht und nicht nachvollziehen kann.

    nica

  • [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von FriedWald GmbH, Iva Etolm erwähnt. Iva Etolm sagte: RT: @FriedWald: Abschied auf Raten? Wenn Menschen das gemeinsame Leben verlassen: 2 Frauen, die … gehen http://bit.ly/dfeoxU [...]

  • [...] Artikel wurde schon einmal sehr ähnlich via Abschiedsvorstellung.de veröffentlicht; hier findet er sich als “Datensicherung” unter dem gleichen Datum hinterlegt. [...]

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