Heinrich Heine, der Herbst und das Waldsterben

Herbst, aboutpixel.de - © Hanna B.

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Ich traue meinen Augen nicht; es fängt ganz harmlos an, ich denke nur an Herbst und was mir der Titel so suggeriert, dann kommt thematisch der persönliche Abschied hinzu – und dann die globale Klimakatastrophe.

Der scheidende Sommer

Das gelbe Laub erzittert,
Es fallen die Blätter herab;
Ach, alles, was hold und lieblich,
Verwelkt und sinkt ins Grab.

Die Gipfel des Waldes umflimmert
Ein schmerzlicher Sonnenschein;
Das mögen die letzten Küsse
Des scheidenden Sommers sein.

Mir ist, als müsst ich weinen
Aus tiefstem Herzensgrund;
Dies Bild erinnert mich wieder
An unsre Abschiedsstund’.

Ich musste von dir scheiden,
Und wusste, du stürbest bald;
Ich war der scheidende Sommer,
Du warst der kranke Wald.

Leider hab ich nicht rausfinden können, wann genau Heine es geschrieben hat, es wurde erst im Nachlass gefunden und nach Heines Tod veröffentlicht. Heine hatte immer mal wieder aus heutiger Sicht erstaunlich prophetische Ideen. Vielleicht hat er hier eine sich selbst erfüllende Prophezeiung geschrieben: Wo der Wald nun von ihm erfahren hatte, dass er krank sein kann, ist er es dann 150 Jahre später auch geworden. Und wir können uns heute mit dem Abschied von dahinsiechenden Wäldern herumplagen und unser Gefühl der Hilflosigkeit pflegen…

Quelle: Heinrich Heine – nachgelesene Gedichte 1828-44, Nr. 8

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