Abschiednehmen von Hongkong in Frankfurt

Mahjong Spielsteine

Mahjong Spielsteine

Inzwischen bin ich seit über 8 Wochen in Frankfurt. Wir haben 3 Jahre in Hongkong gelebt. Ich lande jeden Tag ein Stück mehr in der Heimat und in unserer Wohnung. Mein Mann und ich haben begonnen, unsere Wohnung zu “hübschen”. Wir misten aus, räumen auf, hängen neue Bilder an die Wand. In jeder Ecke gibt es ein chinesisches Detail zu bewundern: Hier das gemalte Bild mit der Hongkonger Tram, dort ein altes Foto aus früheren Tagen in der Weltmetropole, eine ganze Reihe Porzellantellerchen, Tassen und Stäbchen mit chinesischem Dekor, das alte Mahjong-Spiel, die zwei Löwen aus Jade, ein chinesischer Soldat ….

Eine liebe Bekannte hat mir in meinem Blog vor einiger Zeit Abschiedsrituale vorgeschlagen. Den einen Tag soll ich um Hongkong weinen, wenn mir danach zumute ist. Den nächsten Tag schaue ich mir Frankfurt mit anderen Augen an und fahre neue Fahrradwege, entdecke neue Kneipen und Restaurants, Blumenläden und Bäckereien. Es ist für uns sehr interessant, dass im Fernsehen viele Reportagen über China gesendet werden. Die gucken wir uns fast alle an. Wir freuen uns auf die Buchmesse mit dem Gastland China. Ich freue mich über chinesische Touristen in unserer Stadt und tausche mich mit anderen Frauen aus, die ich aus Hongkong kenne und die nun auch wieder in Deutschland leben.

Heute schrieb nun meine Bekannte folgendes: “Es ist ja einerseits der Ort, der eben ganz anders ist, als das, was man von zu Hause aus eben doch alles schon irgendwie kennt, z.B. das quirlige Leben (das war bei mir in Rom auch ein Teil), aber es ist doch auch so, dass man sich selbst in einer anderen Lebenswelt ganz anders erlebt hat. Und dass man sich von diesem Teil der Persönlichkeit ein Stück weit wieder verabschieden muss. Was furchtbar schwer sein kann, vor allem, wenn man glücklich dort war. Goethe soll gesagt haben, so jedenfalls wird er in einem DuMont-Reiseführer für Rom zitiert: “Verglichen mit meinem Zustand in Rom, bin ich hinterher nie wieder wirklich glücklich gewesen.”

Ich habe mich mit diesen Sätzen heute sehr verstanden gefühlt. Es geht mir nicht schlecht und ich bin auch nicht traurig. Ich blase kein Trübsal. Ich erlebe nur, dass ich mich verändert habe. Und ja. Ich habe mich in Hongkong neu kennengelernt, hatte Rollen inne, die ich wieder los lassen musste. Ich hatte Freundinnen, die ich nun hier in Ffm vermisse. Das faszinierendste aber ist sicherlich, dass ich mich als Reisende in Asien neu entdeckt und erlebt habe. Ich wusste nicht, wie sehr mir das gefallen würde, fremde Städte zu entdecken … ohne Angst … mit dem Reiseführer unterm Arm … zufuß, mit der U-Bahn, mit dem Bus oder dem Taxi … ich bin zurecht gekommen. Das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit war wohl das größte für mich … in Hongkong auch ein enormes Gefühl an Sicherheit … Dieser Abschied fällt besonders schwer. Hongkong war das Beste was mir passieren konnte … und das hat viel mit meinem Mann zu tun, dem ich das zu verdanken habe. Ich trage einen Schatz in meinem Herzen und ich bin dankbar dafür. Jeden Tag aufs Neue. Herzliche Grüße aus Frankfurt.

Zum Blog von Petra Schuseil

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