
Zugang zu den eigenen Gefühlen
Berufsbedingt habe ich täglich mit Trauernden zu tun, begleite sie auf dem Weg zur Bestattung und die Tage danach. So erhalte ich Einblick in unterschiedlichste Geschichten und Situationen. Viele davon sind sehr dramatisch und beinhalten eine Aneinanderreihung von traurigen Lebenssituation und vertaner Augenblicke in der Vergangenheit.
Nach vielen Jahren in meinem Job stelle ich ehrlich fest, dass ich einen ganz natürlichen Schutzmechanismus aufgebaut habe, durch den ich Trauer oft auf Distanz halte. Manchmal auch persönliche Trauer. Zum einen muss das natürlich so sein, da ich ja professionell damit zu tun habe. Doch zum anderen ist es auch schade; denn es ist sehr wichtig, diesen “Zugang” zum Inneren zu bewahren.
Eine interessante Geschichte möchte ich an dieser Stelle erzählen:
Als wir mit der Bestattung und der Trauerfeier eines großen Bauunternehmers beauftragt wurden, war es seinen Mitarbeitern ein großes Anliegen den Sarg ihres Chefs zu Grabe zu tragen. Eine schöner letzter Dienst, natürlich konnten Sie das tun. Als die sechs Männer dann den Sarg schulterten und zu Grabe trugen stiegen mir als Organisator der Trauerfeier die Tränen in die Augen, obwohl ich als Verantwortlicher nie nah am Wasser gebaut habe.
Für mich war das ein einschneidendes Erlebnis. Es war wie ein “kleines Fenster” zu einer Gefühlswelt, die man nicht unbedingt verborgen halten sollte.





















Danke fürs Sich-hier-mitteilen, Herr Bauer.
vorhandenen Schirmen beim auftretenden Regenschauer und dem selbstverständlich aus dem Kofferraum organisierten Doppelklebeband fürs Anbringen eines speziellen Kreuzes auf dem Sarg war das eines der Dinge, die ich dankbar in Erinnerung behalten habe.
Als meine Mutter beerdigt wurde, war mein damals 7-jähriger Neffe und Patensohn unglaublich untröstlich im Abschiedsgottesdienst. Er weinte und weinte und weinte, so dass ich dann mit ihm den Raum verlassen habe, statt meinen Teil beizutragen, weil es so herzzerreißend war. Eines der wohltuenden Dinge, die dann geschahen, war die kompetente Anwensenheit einer Mitarbeiterin des Bestattungsunternehmens. Sie kam mit so nem Plüschding an, was KEIN lachendes oder weinendes Gesicht hatte und bot es ihm zusammen mit was zu trinken an. Neben den “natürlich”
Ich glaube, es ist notwendig, eine gewisse professionelle Distanz zu wahren für den Dienst, den Sie und Andere tun. Und doch ist es ein so notwendiger Dienst, der mir als hilfreich in Erinnerung geblieben ist. Danke fürs Tun an dieser Stelle – vielleicht stellvertretend für die, die eher nicht sooo internetaffin sind und von denen Sie dann nicht erfahren, wie wichtig es ist, dass “Sie” (und “Ihresgleichen”) mit dieser professionellen Distanz DA sind.
Hallo und guten Morgen etolm,
vielen Dank für die nette Antwort auf meinen Beitrag. Interessant auch Ihre Schilderung der Geschichte Ihres Neffen. Wie man sieht, kann es auf solche “Kleinigkeiten” wirklich ankommen. Danke für das ermutigende Feedback.
Alles Gute Ihnen.
Johannes Bauer
Das Ihnen die Tränen in die Augen stiegen, ist keineswegs ein Problem, das an Ihrer professionelen Distanz knabbert, es ist ein Teil Ihrer Menschlichkeit, falls sie ein Mitglied Ihrer Familie oder Ihres näheren Umfeldes verlieren, so werden sie, und das dürfen sie mir glauben, auch keine berufliche Erfahrung mehr anwenden können.
Denn der Schmerz, den der Tod hinterlässt, ist eine nimmer heilende Wunde. Er ist endgültig, das lässt uns Menschen auch so unglaublich schwach werden, denn es ist nichts, was wir ändern, lenken oder beeinflussen können. So sollen ihre Tränen nur ein Zeichen Ihrer noch vorhandenen emotionalen Bindung zum Menschen sein.
Wir sind keine Maschinen bei der Arbeit, wir sind fühlende Menschen.