
Blick auf Mui Wo ©Petra Schuseil
Heute habe ich in meiner Fortsetzungs-Reihe “Freitag über Werte sprechen” über den Wert “Abschied” philosophiert. Bevor ich heute mit dem Schreiben begann, habe ich in meinen Büchern nach sinnvollen Gedanken gesucht und dabei in den Rituale-Büchern von Anselm Grün und Pierre Stutz Anregendes entdeckt.
Im 48. Ritual “Schwieriges loslassen” schlägt uns der Autor vor, z.B. einen Stein ganz fest in der Hand zu halten und hineinzuspüren, wie viel es mich kostet, den Menschen oder die Lebensvorstellung, um die es geht, loszulassen. Wenn ich den Stein aus der Hand gebe und z.B. ins Wasser werfe sage ich: z.B. Susanne, ich lasse Dich los oder “Peter, ich überlasse Dich Gott” oder “Ich lasse die Hoffnung nach …. los”. Wir sollen dieses Ritual wiederholen.
Morgen habe ich vor, mit meinem Mann unseren sonntäglichen Spaziergang nach Mui Wo zu wiederholen. Das ist ein kleiner Küstenort in einer Bucht gelegen auf Lantau Island. Ein letztes Mal von Discovery Bay am Meer entlang spazieren mitten durch die Häuser und Höfe der philippinischen Bewohner. Durch Bananenplantagen und Bambussträucher laufen. Ein letztes Mal ein Vater-Unser beten im kleinen Klosterkirchlein, das über das Meer blickt und dann die vielen Stufen hinab nach Mui Wo absteigen. Hier gehen wir in unserem Lieblingsrestaurant ein bayrisches Weizenbier zischen und sagen dem chinesisch anmutenden Ort Mui Wo “Leb wohl”. Am Strand nehme ich einen Stein in die Hand und versuche die Worte: Hongkong, leb wohl. Ich lasse Dich los.
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Es tut gut, Ihnen über Ihre Beiträge beim Abschiednehmen zuzuschauen.
Ich bin sicher, dass Sie einen hilfreichen, nachhaltigen Weg finden, von dem Sie auch ganz viel mit nach Hause nehmen können. Weiterhin herzlich alles Gute!
8 Tage am Sterbebettes meines Mannes im Hospiz werden mir unvergesslich bleiben. Es kamen so viele Gedanken, gute und weniger gute, während ich die Hand hielt und streichelte, die mich fast 50 Jahre gehalten hatte. Manchmal spürte ich seinen Gegendruck, wie ein leiser Hauch. Er wusste, ich bin da und lass ihn in seiner letzten Stunde nicht allein. Den Kampf erleben, nicht helfen zu können, aber dazusein, in einer Umgebung, die wie ein kleines Paradies ist, in der jeder gerne seine letzten Tage, Stunden, Minuten verbringen möchte, bis er den langen Weg antritt. Hier wird nicht vom Sterben gesprochen. Der Weg beginnt, heißt es hier, der oder die –ist auf dem Weg– sagt man hier. Diese Zeit am Bett,während man dem gequälten Atmen lauscht, man weiß, dass es zu Ende geht ist für mich selber eine ganz wichtige Zeit gewesen. Abschied nehmen ist immer schlimm, aber gemeinsam Abschied zu nehmen, er von mir, ich von ihm, die Endgültigkeit spüren, habe ich in einem Tagebuch nieder geschrieben. Es hat mir geholfen. Ich kann es nur empfehlen. Das ist wie ein kleiner ganz persönlicher Abschied. Wir treffen uns wieder, er ist nur vor mir gegangen.
Liebe Schreibjule, welch eine Erinnerung dieser Abschied bedeutet, kann nur jemand begreifen, der das genaue Gegenteil erlebt hat. Am Tag nach Ostern 2008 ist mein Mann wie an jedem anderen Morgen als erster ins Bad gegangen – es sollte ein Tag wie so viele vorher werden … Doch plötzlich brach er ohne Vorwarnung zusammen und das war das Ende von 35 gemeinsamen Jahren! Der Notarzt holte ihn zwar nach einer endlos langen Zeit zurück, aber nach anderthalb Tagen auf der neurologischen Intensivstation wurde definitiv der Hirntod festgestellt.
Da stand ich total geschockt und konnte nicht begreifen, dass mein sportlicher und gesunder, starker Mann auf diese Weise von mir gegangen war. Man geht abends gemeinsam zu Bett, wünscht sich eine gute Nacht und dann waren dies die letzten Worte! Was mich dann ganz minimal getröstet hat, war der Gedanke, dass ihm zumindest eine lange Leidenszeit erspart blieb. Dank einem länger zurückliegenden Beitrag über die Bestattungsmöglichkeit im FriedWald hatten wir uns wenigstens mit diesem Thema schon eingehender beschäftigt. Die Kinder und auch der Rest der Sippe waren sehr erstaunt darüber und vor allem gespannt wie dort die Beisetzung abläuft. Doch bereits bei der Baumaussuche im Reinhardswald war unser Sohn von dieser Idee begeistert. Ich konnte mich dann bei unserer ganz privaten Abschiedsfeier im kleinen Kreis genau so von meinem Mann verabschieden wie es ihm gefallen hätte – bei Vogelgezwitscher, mit Stücken seiner Lieblingsmusik und einer ganz persönlichen Ansprache. Es tut immer wieder gut, an diesen so idyllischen und wirklich friedlichen Ort zu kommen. Da kann ich dann “unseren” Baum umarmen und ihm von meinen Sorgen erzählen,wie sehr ich meinen Mann als starken Helfer im Garten, bei den so geliebten Radtouren oder als Lebenspartner in allen Dingen vermisse.
Letzte Woche war ich bei der Einweihung vom FriedWald Waldhessen dabei. Es war sehr schön und zugleich auch wieder sehr schwer. Denn bei dem geführten Rundgang kamen wir auch zum Muster einer vorbereiteten Urnenbeisetzung. Da stand ich wieder ganz schnell an einem anderen Ort und hielt die Urne meines Mannes in der Hand … Ich habe zwar meine beiden Kinder und kleinen Enkel recht nah bei mir, aber des öfteren überkommt mich der Wunsch,möglichst bald für immer bei meinem Mann zu sein. Ich frage mich, wie mag es Ihnen inzwischen wohl ergehen? Wünsche Ihnen immer einen lieben Menschen zum Zuhören und Haltgeben.