Zwei Engel – Eine Geschichte über einen Abschied

Engel trösten Schmerz

Engel tröstet Schmerz

“Ich habe hier auf dich gewartet und bin so glücklich dich wieder zu sehen”, sagt der alte Engel und seine Augen leuchten. “Ja, auch ich spüre eine große Freude”, sagt der Andere und schaut sich staunend um. So viel Licht ist um ihn, kein Leid mehr, kein Schmerz!

Er dreht sich leicht um, schaut noch einmal zurück auf die vielen Erdenjahre. Sie waren leicht und oft auch schwer gewesen für ihn. Er war lange allein gewesen und dann auch eine lange Zeit mit einem Menschen zusammen, in der es keine gemeinsame Sprache gab. Einfach war es nie für ihn, denn er hatte es sich nie einfach gemacht. Wollte so vieles verstehen und mit anderen teilen. Doch genau das war oft schwierig gewesen. Die Menschen sprechen auf Erden nicht nur unterschiedliche Sprachen in den unterschiedlichen Ländern, nein, daran lag es nicht, dass konnte er lernen. Aber in der eigenen Sprache verstanden zu werden war oft schwer. Viele waren mit sich selbst so sehr beschäftigt, dass sie gar nicht die Zeit oder auch die Kraft hatten zuzuhören. Verstanden hatte er das immer, dennoch machte ihn das oft auch traurig. Erst im reiferen Alter hatte er zu Menschen gefunden, die ihn verstanden, die auch seine Worte verstanden. Die ebenso wie er erkannt hatten, wie kostbar ein jeder Tag war und wie viele Schätze in ihm lagen.

Und dann sieht er auch noch einmal seinen Abschied. Sieht all die Lieben, die vielen Menschen die zu seiner Familie gehören und von denen er auch Abschied genommen hatte. Nicht freiwillig, dazu war sein Abschied zu traurig gewesen. Er musste so viele zurücklassen, die seinem Herzen nahe standen, seine geliebten Kinder. Hätte sich gefreut, das Heranwachsen seiner Urenkel zu erleben, sie auf seinen Knien zu schaukeln.

“Aber sehen kann ich sie von hier auch”, erkennt er im Moment mit großer Freude und schaut den alten Engel an, der ihm wissend zunickt. Beide schauen sich voller Liebe an. Ein tiefer Friede breitet sich aus, verbindet und erfüllt sie. “Komm” sagt der alte Engel, “lass uns nun zu den anderen gehen, auch sie warten schon so lange und voller Freude auf dich”!

Beide sind nun fort, doch ihr Licht erfüllt noch immer den Himmel.

Auch wenn ein Abschied schwer fällt, ist er Beginn für etwas Neues.

© Gabriele Ende

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7 Kommentare

  • Gundy Gundy

    Liebe Gabriele,

    sehr schön, was du geschrieben hast, so sehe ich das auch, habe vor 2,5 Wochen meine Mama verloren. Der Glaube an das Licht und die Engel lassen mir den Schmerz nicht so schwer werden. Ich weiß sie ist gut aufgehoben und es geht ihr dort gut.

    Alles Liebe dir Gundy

    • Gamsbart Gamsbart

      Liebe Gabriele,

      ich danke dir für diese sehr einfühlsame Geschichte. Sie verkündet Hoffnung für den Weg, den wir alle einmal gehen werden und vor dem manch einer Angst hat.

      LG Klaus

  • trude dohrmann trude dohrmann

    ich habe vor 2 jahren meinen mann verloren. abschied auf was neues? ich kann an dem neuen nichts gutes finden. ich suche noch.

    • Gabriele Ende Gabriele Ende

      Liebe Trude Dohrmann,

      Zeit ist oft wichtig für schmerzhafte Prozesse. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist immer schmerzhaft.

      Alles gute Ihnen
      Gabriele

  • Gabriele Ende Gabriele Ende

    Lieben Dank Euch für Eure Gedanken und Worte zu meiner kleinen Geschichte. Ein Jeder hat sein Eigenes und es ist sehr wichtig, achtsam zu sein. Die Trauer erlebt jeder Mensch anders.

    Herzlicher Gruß
    Gabriele

  • Karl-Josef Karl-Josef

    Liebe Gabriele,

    ich habe vor ca. 6 1/2 Jahren meinen Sohn im Alter von 19 Jahren durch einen Autounfall verloren und hoffe, dass etwas Wahrheit in dieser Geschichte ist. Der Glaube und die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit unseren Lieben lässt uns weiter durch dieses Leben gehen.

    Liebe Grüße
    Karl-Josef

  • evi evi

    Liebe Gabriele,

    auch ich mußte in meinem Leben von vielen Abschied nehmen, meinen Kindern, meinen Verlobten,meine Eltern, Freunde und Bekannten. Sie alle haben ein tiefes Loch in meinem Herzen hinterlassen, doch auch ich glaube an ein Wiedersehen. Irgendwann werde ich auch dort oben sein und hinab blicken.

    Lieben Gruß Evi

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