
Das Abschieds-Mobil auf Deutschland-Tour
Nun habe ich schon viele Stationen mit dem Abschieds-Mobil hinter mir. Dieses Wochenende hat es sich für mich nicht gelohnt, nach Hause zu fahren für ein paar Stunden. Die Fahrkarte wäre zudem dreimal so teuer wie das Hotel. Also verbringe ich den Tag im langweiligen Rheinstetten. Gut, dass das Wetter schön ist, so sitze ich vor dem Hotel und lese. Direkt vor mir, nur durch den Gehweg getrennt, steht unser Mobil. Hier herrscht lebhafter Hunde-Gassi-Geh-Verkehr. Mit vielen Herrchen und Frauchen komme ich ins Gespräch. Die Hunde interessieren sich nicht so für FriedWald.
Am nächsten Tag fahren wir in Karlsruhe den Platz an, von dem der Ordnungsamt-Mensch gestern sagte, das wäre der uns zugeteilte. Also stellen wir uns neben einen Marktstand. Aber plötzlich heißt es: “Da kommt noch der Blumenhändler hin.” Also, Stelzen wieder hochdrehen und den Wagen weiter schieben. Haben uns gerade wieder eingerichtet – da kommt ein anderer Mensch vom Ordnungsamt und sagt: “Nein, hier kommt noch der Spargelhändler hin.” Verdammt noch mal, jetzt will ich aber auf den Zentimeter genau wissen, wo wir stehen sollen!
Ein paar christliche Russen helfen uns, den Wagen wieder einmal weiter zu schieben. Nun soll auch der Pkw weg. Jetzt reichts aber! Wir haben die Erlaubnis, mit Auto und Mobil hier zu stehen. BASTA!
“Wirklich ein sehr prima Mädchen”
Besuch bekommen wir an diesem Tag auch von Punks. Einer geht schnurstracks in unser Mobil und will schlafen … Wie locke ich den bloß wieder da raus??? Ich erzähle ihm, dass es uns verboten ist, Schläfer dort zu berherbergen und dass wir durch ihn Probleme bekommen werden. Nein, Probleme machen, das will er uns nicht. Ich unterhalte mich noch eine Weile sehr nett mit ihm. Mit Handschlag und der Versicherung, dass ich doch wirklich ein sehr prima Mädchen bin, verabschiedet sich der Punk und geht rüber zu seinen Kumpels (ca. 20 Jungs und Mädchen). Ich hatte auch nicht wirklich mit Ärger gerechnet.
Von Speyer bis Biedenkopf
In Speyer stehen wir auf einem sehr großen Parkplatz. Viele Menschen gehen von dort in die Stadt. Ab und zu höre ich: “Ah, da steht FriedWald”. Die ersten Gespräche kommen, wie immer, schon beim Aufbau. Zum Glück habe ich für diese Fälle immer Flyer in der Autotür … Das erste Gespräch dreht sich gleich um viele traurige Dinge … In Speyer haben sich zudem die Folgen des langen Winters gezeigt. Viele Schwangere!
Am Pfingstsonntag stehen wir in Rüdesheim auf dem Markplatz. Er ist nur zwei Minunten vom Hotel entfernt. Es ist ein hübscher kleiner Platz, wo auch einige Menschen unterwegs sind. Aber die wollen (wie sollte es auch anders sein in Rüdesheim) sich vergnügen und nichts vom Tod wissen. Man betrachtet uns zwar, aber mit Abstand. Japaner müssen natürlich fotografieren – auch uns.
In Bad Homburg finden die Dresdner Banker unser Mobil wohl nicht so gut. Kann ich verstehen. Erstens hat die Dresdner Bank die gleichen Farben wie wir – Grün und Orange, zweitens passt Abschied ja auch – Dresdner Bank ist passé, geschluckt von der Commerzbank. Prompt werden wir auch von Leuten gefragt, ob das nun eine Abschiedsvorstellung der Dresdner Bank ist. Ha, ha, ha. Ein ganz toller Tag, der uns viel Freude macht. Ja, es kommt eben auf den Standplatz an. Sehr zufrieden beenden wir unser Tagwerk. Hier wären wir gerne noch länger geblieben, aber leider hat die Freundin meines Mobil-Kollegen Geburtstag …
Zum ersten Mal haben wir im hessischen Biedenkopf erleben dürfen, wie es sein kann, wenn eine Ordnungsbehörde mitdenkt. Unser Standplatz war abgesperrt durch Schilder, damit niemand anders hier parken konnte. Das fanden wir S U P E R. Dann hat sich noch jemand vom Amt erkundigt, ob wir zufrieden sind und alles ok ist. Der Platz ist zentral, aber die Leute zeigen wenig Interesse an FriedWald, das ist schade. Über Abschied reden fällt den Menschen einfach schwer.
Ich habe jetzt Pause. Wäre den nächsten Teil der Tour gerne mitgefahren, weil ich in Süd-Westfalen geboren bin und meine Famile hier lebt.





















Schöner Bericht über die Tour. So erfahre ich nun auch mal wieder ein paar Dinge, die sich nicht nur um die Genehmigungen drehen.
Was war in Speyer traurig? Das erste Gespräch generell oder die Tatsache, dass durch den langen Winter so viele Schwangere unterwegs gewesen sind?