
Ein freundliches Lächeln verschönert den Tag
Seit meiner Kindheit mochte ich Abschiede überhaupt nicht. Im Elternhaus, in der Schule und später in der Berufsausbildung lernte ich viele Dinge, die nützlich und notwendig sind. Was mir nicht vermittelt wurde, wie ich mit Abschied umgehen kann. Dies ist so wichtig, doch dieses Thema wird oft in den Hintergrund gedrängt.
Plötzlich kommt die Situation, man wird knallhart und oft grausam mit Abschied konfrontiert und wie damit umgehen? Stark sein, wenn die Seele weint. Mein Seelsorger hat mir ein gutes Beispiel genannt; ich bin wie ein Baum, dem die Wurzeln abgeschnitten sind. Wie bekommt mein Lebensbaum wieder neue Wurzeln? Ich glaube fest daran, dass mir durch meine Tränen und mein Gottvertrauen wieder neue Wurzeln wachsen werden.
Seitdem lebe ich bewußter und bin Gott dankbar für die vielen lieben Menschen, die er mir sendet, als Begleiter auf dem neuen Weg. Auch für die guten Ideen und dass ich von keiner Krankheit geplagt werde. Dafür danke ich von ganzem Herzen.





















Mein Erlebnis mit dem Tod.
Als ich mir vor 9 Wochen bei einem Unfall beide Füße verletzt habe, lag ich ans Bett gefesselt im Krankenhaus. In meinem Nachbarbett lag eine unheilbar erkrankte Frau. Eine Verlegung in ein Hospiz war bereits eingeleitet, als die Tochter meinte, die Fragen zu einer Beerdigung unbedingt noch im Krankenhaus erledigen zu müssen.
Also wurde die Dame vom Beerdigungsinstitut ins Krankenhaus bestellt, die Tochter verhandelte mit dieser Dame. Über alles wurde gesprochen, wir brauchen keine Trauerfeier, direkt ins Krematorium, wenn der “Pott” (das wurde mehrfach gesagt) zurückkommt, trage ich Dich direkt an den Urnenplatz. Kein Schnickschnack. Die Nachbarn werden es ja schon sehen, wenn wir die Klamotten vor die Tür stellen.
Kosten wurden mit € 3.000,-€ veranschlagt.
Sicher müssen solche Gespräche mal geführt werden, das ist nicht verkehrt, aber zu dem Zeitpunkt war es sicher zu spät und schon gar nicht im Beisein von Fremden. Ich war an mein Bett gefesselt und hätte schreien können. Ich sah nur die traurigen Augen meiner Bettnachbarin und habe mich dann zur Seite
gedreht. Sicher hätte eine Schwester mein Bett rausgeschoben, oder mich mit einem Rollstuhl aus dem Zimmer geholt, aber so hatte ich keine Möglichkeit, diesem zu entgehen. Erwähnen möchte ich noch, dass Frau Meyer noch am selben Abend verstorben ist, nachdem wir lange Gespräche geführt haben und sie immer sagte, ich will jetzt nicht mehr.
Der Namen des Beerdigunginsitutes ist mir bekannt und sicher werde ich auch da noch einmal ein Gespräch führen, sobald ich wieder richtig laufen kann. Vielleicht sollte man das mal als Denkanstoß für unsere Mitglieder nehmen.
Hallo Karin,
Ihr Erlebnis ist erschütternd. Aber in sich schon stimmig: Die Urne wird als “Pott” bezeichnet, Trauerfeier ist überflüssig, die Nachbarn merken schon von allein – bloß nicht das Sterben und den Tod an sich heranlassen, nicht Teil des Lebens und der Gefühle werden lassen. Sicher zu spät, sicher absolut unangemessen im Beisein einer Fremden – aber vor allem völlig gefühllos und geradezu roh gegenüber der Versterbenden. Schade, dass die Bestatterin das offenbar widerspruchslos mitmachte. Dass Frau Meyer “jetzt” nicht mehr wollte und vor dem Transport ins Hospiz zügig verstarb, finde ich bewundernswert konsequent.
Ihnen und Ihren Füßen gute Erholung – vom Unfall und von diesem Erlebnis
Herzliche Grüße
Lucida