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Wie oft habe ich schon Filmhelden einen mehr oder weniger tragischen Leinwandtod sterben sehen. Und wie oft habe ich mir dabei gedacht: “Was für ein Quatsch!” Oder um Michael Mittermeyer zu zitieren: “wie realistisch!” Wenn ich allein an Titanic und Leonardo Di Caprios denkwürdigen Abgang in die Tiefen des Atlantischen Ozeans denke, kräuseln sich mir noch heute die Nackenhaare ob des Schmalzes, welcher seinerzeit an den Kinoleinwänden hinab floss.
Es gibt natürlich auch die ernsthaften Szenen, in denen das Ableben durchaus zu Herzen geht. Tom Hanks beispielsweise hat das in Philadelphia oder Der Soldat James Ryan recht eindrucksvoll gezeigt. Nur in Komödien kann man meistens ganz gut auf den Tod verzichten. Es sei denn, es handelt sich um eine schwarze Komödie, bei der das Thema Tod humoristisch in Szene gesetzt wird.
Das Sterben und der Abschied, gehören nun mal zum Kino dazu wie Popcorn und Nachos. Kein Krimi ohne Leiche, kein Horrorfilm ohne das blonde Dummchen, das nachts allein im Wald spazieren geht, während ein Irrer mit Eishockeymaske und Motorsäge durchs Unterholz streift und keine Nicholas Sparks Verfilmung ohne den unausweichlichen Tod eines der Hauptcharaktere. Und wahrscheinlich nimmt es niemand seinem Star krumm, wenn er in einem Film ins Gras beißt – und im nächsten Blockbuster wieder quitschfidel das Publikum an die Kinokassen oder vor den Fernseher lockt.
Drehbuch des Lebens
Im wirklichen Leben ist es eigentlich nicht anders. Auch wir werden jeden Tag aufs Neue mit dem Thema Abschied konfrontiert. In unserem Film sind wir unser eigener Hauptdarsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Kameramann. Und in diesen Rollen zelebrieren wir den Abschied mal rührig, mal schmalzig, mal lachend und mal ernsthaft. Zum Beispiel der Tod eines lieb gewonnen Menschen, der uns alles abverlangt, schmerzhaft und schier unerträglich ist, die rührseligen Abschiedsarien, die bei frisch Verliebten den Telefonhörer rot werden lassen und ungekürzt und wortgetreu zitiert in jeder Rosamunde-Pilcher-Folge-Verwendung finden könnten, die Kinder, die erstmals allein in Urlaub fliegen während sich Mama tränenreich am Flughafen in ihr Taschentuch schnäuzt, der beste Freund sich aus dem Single-Dasein zurückzieht, während man ihm grinsend auf die Schulter klopft, wenn die Lieblings CD im Player grässlich verkratzt und das dämliche Ding nicht mehr neu verkauft wird, die Festplatte bei der Datensicherung abraucht, oder goldgelbe Blätter an einem Baum das Ende des Sommers ankündigen. Und sei es nur eine ausgelesene Zeitschrift, die in den Altpapierkorb wandert, um später vielleicht als Taschentuch recycelt wieder den Weg zu uns zu finden.
Wir werden unser ganzes Leben lang mit Abschieden konfrontiert und schreiben dadurch unser Drehbuch jeden Tag neu. Dumm ist nur, dass wir den Ausgang unserer eigenen Geschichte nur bedingt selbst beeinflussen können. Schule, Job und Hobby sind soweit kein großes Problem. Das haben wir mehr oder weniger gut im Griff. Das große Finale, sozusagen die letzte Szene des Films, die können wir auf keiner Schreibmaschine der Welt schreiben. Augen zu, Abspann mit ein paar Credits und Ende.
“Falsch”, werden jetzt vielleicht einige denken. Wenn ich meinem Leben selbst ein Ende setze, mich freiwillig verabschiede, dann bin ich sehr wohl derjenige, der den persönlichen Film mit dem Titel “Leben” ganz alleine abdreht. Insofern richtig, nur dass ich die These vertrete, dass auch diese Tat gesteuert wird. Nein, nicht von einer göttlichen und allwissenden Macht, sondern von unserem Unterbewusstsein. Der eigentliche Chef, der Produzent unseres kleinen Hollywood-Ichs. Derjenige, der vielleicht wirklich entscheidet wann es zu Ende ist. Wenn wir nicht mehr weiterschauen wollen, der Film zu langatmig wird und der Spannungsbogen ausgereizt ist. Der Moment, in dem für uns die letzte Klappe fällt – der Final Take.
Frage an James Dean
Wenn ich ihn noch fragen könnte, würde ich von James Dean wissen wollen, ob er sich seinen Abgang so vorgestellt hat. Oder ich würde mal kurz an Douglas Adams himmlischer Bibliothek anklopfen und fragen: “Sag mal, kannst Du nun wirklich per Anhalter durch die Galaxis reisen?“ Wie auch immer. Ich kann es nun mal nicht und das ist auch nicht wirklich schlimm. Und wenn der Tag kommt, an dem auch bei meinem Film die letzte Szene gedreht wird, bin ich mir ziemlich sicher, dass nur ich weiß, ob es eine Fortsetzung geben wird und wenn ja, wie sie eventuell aussehen könnte. Nur eins steht für mich fest: Während der Held, also ich, auf seinem Pferd langsam einem glutroten Sonnenuntergang entgegen reitet und ein einsamer Kojote sein trauriges Lied anstimmt, sitzt irgendwo ein kleines Männchen auf einem imaginären Regiestuhl und ruft: und Cut!





















Ich habe gerade gelesen, dass sich Clint Eastwood mit seinem Kinofilm “Gran Torino” von der Leinwand verabschieden will. Clint Eastwood war als Schauspieler und Regisseur immer ein Garant für gutes Kino. Wie sollten seine Abschiedsvorstellung daher auf keinen Fall verpassen. In der Kritik, die ich gerade gelesen habe, heißt es: “Abschied ist immer bitter. Erst recht, wenn dabei klar wird, was man verliert.” Kino ohne Clint Eastwood ist zweifelsohne ein Verlust. Mehr dazu kann man hier lesen: http://www.ard.de/kultur/film-kino/gran-torino/-/id=8328/nid=8328/did=1005702/l31up7/index.html