… sind es, von denen man sich dieser Tage am meisten verabschieden muss. Die Erde ist rund, Menschen irren sich und Opel produziert quasi vor unserer Haustür Autos für den “Durchschnittsdeutschen”. Das waren Wahrheiten, mit denen ich seit fast 40 Jahren groß geworden bin. Naja, die Erde ist immer noch rund, Menschen werden wahrscheinlich immer noch Fehler machen – aber ob Opel diese Region noch weiter so bereichern wird steht in den Sternen …
Die Zeiten ändern sich, und wenn sich an dieser Tatsache eines ändert dann ist es die Geschwindigkeit mit denen dies statt findet. Was heute wahr ist, von dem können wir uns morgen schon verabschieden. Künstler werden heute genauso schnell gecastet wie sie ihre Biografie veröffentlichen – und sich schon wieder in die Anonymität verabschieden. Kaum hatte sich der Kommunismus in die Geschichte der gescheiterten Gesellschaftsformen verabschiedet, macht sich der Kapitalismus auf um es ihm gleichzutun. Ein ganzes Arbeitsleben bei ein und derselben Firma – davon haben wir uns ebenso verabschiedet wie vom Glauben an die sichere Rente. Wirtschaftsminister haben sich verabschiedet ohne dass es ihre Kollegen wussten, Parteivorsitzende wurden verabschiedet ohne dass sie selbst es wussten – die letzten Monate waren turbulent, und die kommenden Monate werden sich davon nicht unterscheiden. Immerhin darauf können wir uns verlassen.
Und so verabschieden wir uns täglich von einer neuen liebgewordenen Tradition. Verabschieden uns von Kollegen, Vereinsmitgliedern, Schulkameraden, Fernsehformaten, dem Glauben an den Qualitätsjournalismus und Idealen. Jeden Tag verlieren wir mehr von dem, was uns geprägt hat und was uns unseren Lebensalltag meistern lässt.
Aber mit jedem einzelnen dieser “Denk-Käfige”, von dem wir uns verabschieden, können wir auch weiter wachsen und uns auf die Zukunft vorbereiten. Denn von einem sollten wir uns zu allererst verabschieden: Lösungen von gestern reichen nie für die Fragestellungen von morgen.
Nachdenkliche Grüße
Dennie





















Meine Herren! Will das mit Opel denn nie enden? Seit Jahren gibt es über den ehemaligen Vorzeigeautobauer nur noch Hiobsbotschaften zu hören. Jetzt will sogar das Land Rheinland-Pfalz sich an dem angeschlagenen Konzern beteiligen, um ihn noch zu retten. Klar, es gibt unzählige Arbeitnehmer, die aus Mainz und dem Umland über den Rhein fahren und jeden morgen am Mainspitzdreieck für 5-6 Kilometer Stau auf der Autobahn sorgen. Da ist eine Finanzspritze für das Land vermutlich billiger als das Arbeitslosengeld für alle entlassenen Opel-Mitarbeiter zu zahlen …
Dabei hätte man gedacht, es könnte nicht schlimmer kommen, nachdem schon so viele von ihnen in Auffanggesellschaften gelandet sind.
Das Leben ist Veränderung. Unsere Kultur pflegt die Vorstellung, dass das Gute möglichst statisch sein soll, und Pessimisten möchten nicht einmal die Veränderung des Schlechten, weil es möglicherweise NOCH schlechter werden könnte. Aber ich glaube, so funktioniert das Leben gar nicht. Alles ist ständig im Fluss, seit Anbeginn der Welt, selbst Felsen verändern sich gaaaanz langsam.
Veränderung kann mir Angst machen, weil ich das Vertraute als sicher empfinde (auch wenn es nicht gut ist). Ich brauche Vertrauen ins Leben, um mich auf das Un-Vertraute einzulassen und zuzulassen, dass es auch anders gut sein kann. Irgendwo habe ich gelesen, das einzige Sichere in unserem Leben sei die Veränderung. Für mich als ziemlich sicherheitsbedürftigen Menschen ist das geradezu ein Paradigmen-Wechsel.