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Zeit ist relativ! Das wissen wir alle. Sie ist es vor allem, wenn wir vorausschauen oder zurückblicken. Immer aber ist sie gefüllt mit Abschieden und Neuanfängen. Mir wurde das einmal mehr ganz klar, als ich heute Morgen vor meinem PC saß, wild entschlossen, den ersten Blogbeitrag meines Lebens zu verfassen. Es begann mit der Suche nach dem Interpreten des Songs “Today is the first day for the rest of your life”. Nachdem ich wie üblich Google und im Anschluss Youtube mit meinen diversen Anfragen gequält hatte, war mir zwar endlich bewusst, dass es eine schier unübersehbare Fülle von Songs mit dieser oder einer ähnlichen Liedzeile gibt. Den einen Song, der mir als Aufhänger für meinen Beitrag im Kopf herum schwirrte, habe ich aber immer noch nicht gefunden, wenngleich sich der Verdacht erhärtet, dass es sich um ein Lied von John Denver handelt.
Auf der Suche nach einem anderen Aufhänger stieß ich auf einen Artikel, den ich geschrieben habe, als mein jüngster Sohn den Kindergarten verließ. Zu einer Zeit also, als er und ich uns von der ganz engen Mutter-Kind-Zeit verabschiedeten. Hier ein Auszug aus meinen damaligen Gedanken:
“Acht Jahre sind eigentlich eine relativ kurze Zeit denkt die X-beliebige Mutter dreier X-beliebiger Söhne, wenn sie noch einmal jenen denkwürdigen Morgen heraufbeschwört, an dem sie mit Sohn Nr. 1 an der Hand erstmals den Kindergarten betrat. Vollkommen präsent ist ihr das Gefühl dieser kleinen, schwitzigen Hand in der ihren, die sich an sie klammert als drohe der Tod durch Ertrinken. Auch ihre eigenen zwischen Hoffnung auf ein Stückchen Freiheit und Nicht-Loslassen-Können schwankenden Gefühle spürt sie, als habe sie sie erst gestern empfunden.
Unglaublich dagegen, dass Sohn Nr. 1 – eben jener mit der schwitzigen kleinen Hand – inzwischen jeden Morgen lässig winkend das Haus verlässt, um mit dem Bus und – natürlich in Begleitung diverser Kumpels - Richtung Gymnasium zu fahren. Die Erkenntnis, dass acht Jahre doch eine relativ lange Zeit sind, drängt sich auf.
Kindergartenanfänger-Mutter
Andererseits ist es doch erst kurze Zeit her, dass Frau X als engagierte Kindergartenanfänger-Mutter half, die Pläne für ein neues Klettergerüst zu realisieren. Tja und richtig, erst vor ein paar Wochen kam doch Sohn Nr. 2, der seit jeher zu leichter Zerstreutheit neigt, auf Strümpfen aus dem Kindergarten. Auch auf mehrmaliges Befragen nach dem Verbleib seiner Schuhe, blieb er hartnäckig dabei, er sei an diesem Tag ohne Schuhe in den Kindergarten geschickt worden. Die x-beliebige Mutter hegte berechtigte Zweifel und sah sich bestätigt, als bei den Grabungsarbeiten zum neuen Klettergerüst die Schuhe in leicht verändertem Zustand wieder zutage gefördert wurden.
Merkwürdig nur, dass das neue Klettergerüst inzwischen schon ausrangiert auf der Gemeindewiese Dienst tut, der große Hof neugestaltet wurde und das schuhlose Kind bald die dritte Klasse der Grundschule besucht.
Auch bei Sohn Nr. 3, das steht zweifellos fest, behält die Relativitätstheorie ihre Gültigkeit. War seine Existenz zu Beginn der Kindergartenkarriere von Familie X noch nicht einmal angedacht, so ist er jetzt Auslöser des Rückblicks auf acht Jahre Kindergarten. Denn tatsächlich, auch dieses Kind hat sozusagen kurze Zeit nach seiner Geburt bereits drei Kindergartenjahre absolviert und wird im Sommer mit Schultüte bewaffnet Richtung Grundschule ziehen.
Wie bei den Söhnen Nr. 1 und 2 wird Frau X gerührt dem Abschlußgottesdienst folgen, sich ob ihrer Rührung ein wenig genieren und sich zugleich fragen, wie es sein wird, das Leben ohne Kindergarten. Kein morgendliches Antreiben: “Komm, wir müssen los, es ist schon nach 9:00 Uhr!” Kein Gewusel an den Kleiderhaken. Kein Schwatz mit anderen Müttern beim Abholen. Kein kleiner Kerl mit Rucksack und schief aufgesetzter Mütze, der aus dem Kindergarten auf sie zustürmt.
Zeitbetrachtungen
Dafür bereits morgens um 7:00 Uhr Antreiberei, aber schon ab 7:45 Uhr freie Bahn für eigene Aktivitäten. Gewusel beim Abholen an der Schule, aber schon nach erfahrungsgemäß kurzer Zeit ein recht selbständiges Kind, das vom Schulbus allein nach Hause läuft. Der Schwatz mit anderen Müttern verlagert sich auf Elternabende, Klassenfeste und Telefon. Hauptgesprächsgegenstand: die Hausaufgaben. Hier, das weiß Frau X , tun sich neue Welten auf. Einen kleinen Kerl allerdings, der aus dem Kindergarten stürmt, wird es definitiv nicht mehr geben. Doch vielleicht ist der Tausch gegen ein unternehmungslustiges Schulkind gar nicht so schlecht.
Die x-beliebige Mutter dreier x-beliebiger Söhne entreißt sich ihren Zeitbetrachtungen. Egal, ob acht Jahre Kindergarten nun lang oder kurz sind, sie sind ein Kapitel Familienleben und dieses Kapitel ist beendet. Zufrieden und dankbar blickt Frau X auf diese zurückliegenden Jahre und ertappt sich bei der Frage, wie es wohl nach noch einmal acht Jahren sein wird. Vielleicht macht sie sich ja dann Gedanken darüber, wie es möglich ist, dass Sohn Nr. 1, der doch eben erst aufs Gymnasium kam, schon das Abitur anstrebt. Ein Wunderkind oder ein Phänomen der relativ kurzen Zeit?
Inzwischen sind neun Jahre vergangen und Sohn Nr. 1 hat – ohne ein Wunderkind zu sein – seit einem Jahr das Abitur in der Tasche und beginnt im Sommer sein Studium. Sohn Nr. 2 ist in der 11. und Sohn Nr. 3 in der 8. Klasse. Eine Folge von Abschieden und neuen Starts und auch wenn ich die kleinen Kerle mit den schief aufgesetzten Mützen immer noch vor mir sehe, genieße ich meine größere Freiheit. Die langen, schlaksigen Typen, die ständig neuen Trubel und neue Perspektiven in mein Leben bringen, finde ich meistens richtig cool.
PS: Kann mir vielleicht doch jemand sagen von wem der Song stammt?





















Das ist er schon … wirklich schöner Text …
John Denver: Today Is The First Day Of The Rest Of My Life
Today is the first day
Of the rest of my life.
I wake as a child
To see the world begin.
On monarch wings
And birthday wonderings.
Want to put on faces.
Walk in the wet and cold.
And look forward to my growing old.
To grow is to change.
To change is to be new.
To be new is to be young again.
I barely remember when
My memories are stolen by the morning.
Blotted out by the suns hypnotic eye.
Today is the first day
Of the rest of my life.
I wake as a child
To see the world begin.
On monarch wings
And birthday wonderings.
Want to put on faces.
Walk in the wet and cold.
And look forward to my growing old.
Da wird Wehmut wach und sofort wird mir klar, das Abschied und das Gefühl der Wehmut undwiederbringlich zusammen gehören. Mein Sohn ist jetzt 11 Jahre und ich erinnere mich auch noch an den ersten Kindergartentag, den haben er und ich gemeinsam verbracht. Ich wartete gespannt in einem Nebenraum und war völlig bestürzt, dass er nicht mal bemerkte, als ich ihn abholen wollte. Inzwischen fährt er mit dem Bus zum Gymnasium und hat Freunde, die ich noch nie gesehen habe, weil er sie nur in der Schule trifft. Eine Jule und einen David beispielsweise. Doch manchmal ist er dann doch noch ganz klein und braucht mich, dann werde ich wieder ganz wehmütig, weil ich weiß, diese Momente werden immer weniger und irgendwann wird unser erster großer Abschied kommen, vielleicht weil er für eine Weile ins Ausland geht, vielleicht aber auch, weil er das Nest ganz verlässt. Manchmal ein reizvoller Gedanke, den ich dann wieder ganz schnell beiseite schiebe …