Abschied ist … unpopulär, heißt es in einem Beitrag auf dieser Website. Stimmt – und auch wieder nicht. Denn es könnte genauso gut heißen “Abschied ist … Popmusik”. Und die ist seit Jahrzehnten in allen Schichten und Altersgruppen extrem beliebt. Bei einem Blick auf die Musiktitel, die bei Trauerfeiern derzeit sehr ‘in’ sind, zeigt sich, dass zum Thema Abschied eine Fülle tiefschürender Songtexte und wehmütiger Pop-Melodien geschrieben und komponiert wurden.
Die meisten dieser Abschiedssongs werden natürlich nicht nur bei Trauerfeiern gespielt, sondern jeden Tag im Radio rauf und runter gedudelt. Wir hören das Beste aus den 80ern, 90ern und von heute beim morgendlichen Zähneputzen und beim abendlichen Geschirrspülen, wir hören melancholische Balladen beim Fingernägel feilen oder beim Staub wischen – einfach ganz nebenbei. Und irgendwann einmal hören wir diese Songs in der Trauerhalle. Händels Largo oder Mozarts Requiem, Klassiker der Trauermusik, spielen bei Beisetzungen immer weniger eine Rolle. Heute stehen bei Beerdigungen mehr die persönlichen Musikwünsche des Verstorbenen im Mittelpunkt.
Top Ten der Trauermusik
Foto: Ruben Gläser - www.pixelio.de
Die Popmusik hat die Rituale zum Abschied erobert und fest im Griff. “Time to say good bye” von Sarah Brightmann und Andrea Bocelli, “Candle in the wind” von Elton John oder Eric Claptons “Tears in heaven” gehören zu den viel gespielten Songs aktueller Abschiedsmusik. Da die Musik für Trauerfeiern wie das Möbeldesign und die Farbe der Autos modischen Trends unterworfen ist, gibt es immer wieder Newcomer in der Top Ten der Trauermusik: James Blunts mit gepresster Fistel-Stimme gesungene “Goodbye my Love”“ hat sich schnell einen Spitzenplatz in dieser heimlichen Hitparade gesichert. Derzeit begleiten immer öfter die Klänge von Xavier Naidoos “Abschied nehmen” das letzte Geleit.
Herbert Grönemeyers Lied “Der Weg”
Aber das Nebeneinander von Radio-Charts und heimlicher Trauerhitparade, der Wechsel von Popmusik zur Trauermusik, von U zu E und wieder zurück hat mitunter so seine Tücken. Wenn im Radio die Zeilen “Ich kann nicht mehr sehn/trau nicht mehr meinen Augen/Kann kaum noch glauben/Gefühle haben sich gedreht“ von Herbert Grönemeyer erklingen, die er in dem Abschiedssong “Der Weg” seiner verstorbenen Frau Anna und allen, die uns zu früh verlassen haben, gewidmet hat, kann ich nicht mehr einfach Zähne putzen oder Geschirr spülen, Fingernägel feilen oder Staub wischen. Wenn die traurige Melodie mit Klavier und Streicher untermalt erklingt, muss ich mich von dem Radio-Sender verabschieden, weil der Wechsel von Trauermusik zur Popmusik, vom Besonderen zum Allgemeinen bei mir einfach nicht mehr funktioniert, wenn ich ein Lied schon einmal bei einer Trauerfeier gehört habe.





















