“Mors certa, hora incerta” – Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss.

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“Gedenke, dass du stirbst” – so lautet die oft zitierte Übersetzung von “memento mori”. Einmal umgedreht gedacht, verstehe ich in dieser Aussage den Hinweis auf das bewusste Erleben des Moments. Wir wissen zwar, dass wir sterben. Jedes Kind lernt das im Laufe seiner Entwicklung, teilweise aufgrund schmerzlicher, einschneidender Erlebnisse. Aber wirklich bewusst ist es uns nicht. “Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter”, hat ein schlauer Mensch einmal gesagt. Ich halte das gar nicht mal für so schlau, wenn ich auch diesen Satz aus einem anderen Blickwinkel betrachte.
Alleine die Vorstellung, dass es uns in jeder Minute, in jedem Augenblick bewusst wäre, dass wir jetzt sterben könnten – was sollte uns dann noch davon abhalten, unser Bewusstsein mit bösen verbotenen Stoffen zu erweitern, unserem Gesprächspartner zu sagen, was wir wirklich von ihm halten, dem Nachbarn den Biomüll über den Zaun zu kippen oder … Den Möglichkeiten wären keine Grenzen gesetzt.
Wie viele Dinge gibt es dennoch, die jeder in seinem Leben machen will und dann doch nicht beginnt, weiter macht oder gar vollendet. Wenn er Glück hat, stehen am Ende weniger Dinge auf seiner Liste. Doch auch wenn nicht – wer sagt, dass jenes Leben weniger glücklich verlaufen ist? Vielleicht hat dieser Mensch sein Leben und dessen Momente viel besser für sich genutzt.
Letztendlich entscheidet sowieso jeder selbst, was er tun will und was er davon alles wirklich tun wird. Ich will auf jeden Fall mal nach Thailand. Mal sehen, ob es die Urlaubskasse erlaubt und ich dieses Jahr noch fliegen werde. Aber wie war das noch gleich mit den von Palmen fallenden Kokosnüssen …





















“Mement mori” – Gedenke des Todes ist ein Motiv, dass sich in der Literatur- und Geistesgeschichte immer wieder findet. Im Mittelalter ist der Gedanke an die Allgegenwärtigkeit des Todes und die Vergänglichkeit alles Irdischen immmer heilgeschichtlich-religiös. Es ging um die Vergänglichkeit und Nichtigkeit menschlicher Existenz vor dem Hintergund, das Paradies und das Ewige Leben verspielt zu haben. Der Mensch muss sich demnach auf Erden bewähren, um ins Himmelreich gelangen zu können. Dieser Aspekt hat für viele Menschen inzwischen an Bedeutung verloren.
Für mich bedeutet “Memento mori” heute, dass man sein Leben leben sollte, es genießen und Dinge tun sollte, die einem wichtig sind. Es sind nicht unbedingt die Karriere, das Geld oder der Status, die einen glücklich machen und wirklich wichtig sind. Eigentlich sind es ganz andere Dinge: das private Glück, lieben und geliebt zu werden, ein schöner Abend mit Freunden, eine Auszeit vom beruflichem Stress, ein Urlaub und und und … Ich finde das Lied “Endlich” von Silbermond bringt ganz gut auf den Punkt, was ich meine:
Wir tragen alle Zeit in unsren Händen
Sei unbesorgt, denn ich beschütze dich
Doch die Angst um dich, sie wächst mit jeder Stunde
Weil alle Zeit der Welt vergänglich ist
Egal ob es dir gefällt oder ob es dich umbringt
Es wird alles irgendwann zu Ende sein
Die Einsicht bleibt, dagegen sind wir machtlos
Lass es für immer sein, komm her und frier es ein
Ich weiß, dass alles mal zu Ende ist
Weil nichts für immer ist
Doch es ist Zeit, die nicht verschwendet ist
Weil du sie nicht vergisst
Ich weiß, dass alles irgendwann zerbricht
Doch im Moment ist das so unwichtig
Weil du es nie vergisst
Weil der Moment es ist
Der unsterblich ist
Wir können nicht ändern, was zu ändern nicht gemacht ist
Denn auch du und ich, wir sind nicht mehr
als Freischwimmer im Fluss der Zeit
Also lebe jeden Tag als wär’s dein Erster
Leb jeden Tag als wär’s das Letzte was du tust
Wir wissen beide, dass es endlich ist
Weil nichts unendlich ist
Doch solange du hier bei mir bist
Interessiert das nicht
Ich weiß, dass alles irgendwann zerbricht
Doch im Moment ist das so unwichtig
Weil du es nie vergisst
Weil der Moment es ist
Der unsterblich ist
Für immer
Für immer ist es nicht
Nichts ist für immer
Für immer
Leb jeden Tag als wär’s das Letzte was du tust
Diverse Videos zum Song gibt es – natürlich! – im Internet:
http://www.myvideo.de/watch/4620292/Silbermond_Endlich