Abschied hat zwei Seiten

Wie oft habe ich schon von etwas Abschied genommen, was ich unbedingt beenden wollte. Beispielsweise die “letzte” Zigarette.  Ich rauche sie immer wieder mit Genuss und dem Bewusstsein, danach ist Schluss. Dann verbrenne ich in einer kleinen Zeremonie die Schachtel und denke, das wars. Am nächsten Tag stehe ich abends wieder auf der Terrasse und rauche genüsslich eine Feierabendzigarette …  So geht es doch so oft, dass man sagt, das lass ich jetzt hinter mir und beende es endgültig. Das ist ein Abschied, den man unbedingt will, für den man aber ganz viel Kraft investieren muss.

Das sind sie, diese zwei Seiten des Abschieds. Einmal, der den man unbedingt will, um etwas bewusst zu beenden. Und der, der so schmerzhaft ist, der einfach da ist, den man annehmen muss und der meistens der endgültige Abschied ist. Immer wenn ich mich bewusst von Jemandem oder von Etwas verabschiede, dann merke ich immer wie wichtig mir dieser Mensch, dieses Tier oder diese Sache ist. Mir wird ganz warm ums Herz und alles, was mich vielleicht geärgert hat, verliert an Bedeutung. Erst wenn ich mir klar mache, dass etwas endgültig zuende geht, dann wird das Schöne daran ganz sichtbar.

Jeder Abschied fällt mir unglaublich schwer und ich möchte mich nicht verabschieden, weil es so wie es ist, eben so schön ist. Und weil der Abschied auch so weh tut. Aber wenn ich mich in vollem Bewusstsein und vor allem positiv von Etwas verabschiede, dann nehme ich diese wunderbaren Erinnerungen mit. Erinnerungen kann mir keiner mehr nehmen. Von Erinnerungen muss ich mich nicht trennen.

Diese Erinnerungen sind immer dann da, wenn ich sie gerade brauche. Wie oft hab ich es schon erlebt, dass in einem ganz bestimmten Moment im Radio, oder auf einer Party ein Lied gespielt wurde, was in mir Erinnerungen hervorgerufen hat. “Walking on sunshine” zum Beispiel. Mein Sandkastenfreund Thomas hat nach diesem Lied immer total verrückt getanzt und wir haben uns immer alle so an ihm und seiner lustigen Art erfreut. Er hatte mit 19 einen Autounfall und tanzt vielleicht jetzt da oben auf den Sonnenstrahlen, während wir fahrend im Auto an ihn denken und uns an genau diesen Erinnerungen erfreuen. Das lässt ihn weiterleben in unseren Herzen, in unserem Freundeskreis.

Immer wenn ich mir klar gemacht habe, dass etwas vorbei ist, dann habe ich sie mitgenommen diese Erinnerungen an einen geliebter Menschen, der nicht mehr da ist oder an Etwas, was vorbei ist. Das hat mir Kraft gegeben weiterzumachen und auch das schöne an einem Abschied zu sehen. Denn die meisten Abschiede, die man erlebt, passieren einfach. Wir können nichts dagegen tun. Wir können sie nur annehmen. Und lässt man sich darauf ein, dann ist es ganz leicht.

Mein Hund Emmus ist jetzt 11 Jahre alt und das ist für seine Rasse schon alt. Wenn ich daran denke, dass sein Leben bald zuende geht, dann werde ich unheimlich traurig. Aber ich weiß, dass ich es nicht ändern kann und deshalb mache ich mir manchmal schon Gedanken, wie ich ihm die letzte Zeit schönmachen würde. Ich bereite mich ein bisschen vor auf diesen Abschied. Das macht es vielleicht am Ende leichter. Und jetzt sauge ich die schönen Momente auf mit ihm.

Sich das Ende und den Abschied bewusst zu machen, bedeutet das Schicksal anzunehmen. Dadurch lebt man bewusster und geht weiter mit schönen Erinnerungen, die einen begleiten.

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2 Kommentare

  • Michael Bachmann Michael Bachmann

    Hallo Frau Böger,

    Ihr Beitrag gefällt mir sehr gut. Ich nehme an diese bewußte Auseinandersetzung mit dem Abschied – von der Sie erzählen – wurde auch durch Ihre Tätigkeit und Erlebnisse als FriedWald-Försterin befördert. In dem Job geht es vielleicht schon wieder darum, das Thema nicht übermächtig werden zu lassen, oder?

    Viele Grüße, Michael Bachmann

    • Meike-Christine Böge Meike-Christine Böge

      Hallo Herr Bachmann,

      Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Abschied gab es schon immer bei uns in der Familie. Gut voneinander Abschied zu nehmen war immer sehr wichtig und über Trauriges wurde immer ganz offen gesprochen. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar, denn es macht das Leben leichter. Aber auch durch meine Arbeit setze ich mich mit dem Thema auseinander, das bleibt nicht aus und gehört finde ich dazu, um die Menschen zu verstehen. Wichtig dabei ist nur, daß man nicht nur an Abschied nehmen denkt und vergisst zu leben. Denn dann steht man sich ja wieder selbst im Weg. Das muss man sich bei diesem Job auch immer wieder bewußt machen.
      Also wie so oft, der gesunde Mittelweg ist entscheidend.

      Viele Grüße,
      Meike-Christine Böger

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