Abschiednehmen – das tun wir tagtäglich, sebstverständlich und unbewusst. Daneben gibt es aber auch das Abschiednehmen, das wir bewusst erleben, oft schmerzhaft, und nicht erst am Sarg eines geliebten Menschen. Das Abschiednehmen von der eigenen Jugend, schleichend, aber irgendwann realisieren wir es es. Das Abschiednehmen von den Kindern, wenn sie flügge werden und vielleicht dann auch das Elternhaus verlassen, es geschieht langsam, aber endgültig. Mir wurde vor Jahren ein sehr schmerzhafter Abschied auferlegt.
Mein Vater hatte eine Notoperation und wurde danach für einige Tage in künstliches Koma gelegt. Die Alzheimer Erkrankung, die latent schon da gewesen war, brach mit überraschender Wirkung aus. Mein Vater wurde ein anderer Mensch. Es war der gleiche Körper, und doch war darin nicht mehr der Mensch, den ich kannte. Es war ein sehr schwerer Abschied, es war etwas unwiederbringlich verloren gegangen, was nicht mehr hergestellt werden konnte. Besonders meiner Mutter fiel und fällt es noch heute sehr schwer, damit umzugehen. Abschied – alltäglich, und doch auch ganz abrupt.
Wir haben alle unsere Muster, damit umzugehen. Ich freue mich auf den Austausch hier auf dieser Plattform, miteinander ins Gespräch zu kommen, über unser Erleben, über unsere Trauer, unseren Schmerz und die Überwindung, das Leben nach dem Abschied.





















Meine Oma hat sich über zwei Jahre hinweg vom Leben verabschiedet, sie wurde immer weniger und irgendwann war ihr Leben nicht mehr wirklich lebenswert. Manchmal schien es, als wolle sie nicht loslassen. Wir hatten lange Zeit Abschied zu nehmen und irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, an dem wir ihren Tod als Gnade für sie empfanden. So hat die Natur uns den Abschied von Oma Klara sehr leicht gemacht, dafür bin ich sehr, sehr dankbar, auch wenn ich sie immer mal wieder vermisse.
Ja, solch ein abrupter Abschied ist schwer und man hat lange damit zu tun. Man wollte doch noch soviel sagen und soviel zusammen erleben. Ein Freund von mir, wurde bei seiner Arbeit von einem Baum erschlagen. Er war ein toller und vor allem verrückter Mensch. Wir wollten doch so gerne alle noch mit ihm feiern und die Party zu seinem 30. Geburtstag hatte er schon fest geplant. Dann trafen wir uns alle zu seiner Beerdigung – es waren bestimmt 300 Leute da. Das war dann eine ganz andere “Party”. Aber wir haben uns alle an dem Tag bewußt gemacht, daß er sich jetzt ein Bier bestellt hätte und mit uns gelacht hätte. Also haben wir alle ein Bier bestellt und auf ihn angestoßen, über ihn geredet, als wäre er dabei. Und irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, daß ich von ihm Abschied genommen habe, obwohl ich nicht mehr mit ihm reden konnte. Aber so ist es gut.